Verfasst von: Hao | 11. Mai 2012

Glücklich trotz Leid – geht das?


Gravierende Lebenseinschnitte, mit denen man nicht gerechnet hatte, können plötzlich das Glück von einer ganz neuen Perspektive aus in ein total anderes Licht rücken. Ich habe am 8.Juli 2007 eine solche Umwertung des Glücks, nein, nicht erleiden müssen, sondern erleben dürfen, als mir aus heiterem Himmel die Ärzte Lymphdrüsenkrebs in einem fortgeschrittenen Stadium attestierten. Und das zwei Stunden nach einem Gottesdienstbesuch, als plötzlich starke Magenschmerzen auftraten und der Notarzt mich ins Krankenhaus bringen musste.


Glück, das war für mich bis dahin eine Fahrt auf den Brocken, die ich mir vorgenommen hatte, mit meinem Hühnerschreck, wie ich mein Fahrrad mit Hilfsmotor nenne.

Einen Fahrradgepäckträger hatte ich schon gekauft. Bald sollte es zu einer Tagestour in den Harz gehen. Als Glück habe ich auch empfunden, als ich mir vor einigen Wochen einen Motorroller kaufen konnte. Ein richtiges Schnäppchen. Dann im warmen Sommerwind dem Abend entgegenzufahren, keine Probleme mit einem Parkplatz haben….

Und wenn mir Gott keinen Tagestripp zum Brocken bewilligt, dann bin ich auch schon glücklich, wenn ich mit meinem “Hühnerschreck” um den Gifhorner Schlosssee fahren kann.


Doch förmlich über Nacht verlieren diese Glücksvorstellungen an Wert, weil sie für lange Zeit in ferner Zukunft liegen, über die man heute nichts sagen kann.

Ich habe nun andere Glücksgefühle, für gesunde Menschen nicht der Rede wert, vielleicht einfach zu lächerlich. Was ist Glück für einen frisch operierten Menschen, der sich im Anschluss daran sofort einer Chemotherapie unterziehen muss?

Ich habe erleben dürfen, wie es ist, wenn man Minuten vor der OP gesegnet wird, wenn neben der Hand Gottes eine menschliche Hand da ist, einen hält und einem Mut von oben zuspricht.

Glück ist, wenn man zum ersten Mal wieder Darmgeräusche vernimmt. Ja, ich habe die Freiheit Gott für meinen ersten Pups nach dem schweren Eingriff zu danken. Plötzlich ist die Baustelle in dem Verdauungstrakt aufgehoben. Das war ein Glücksgefühl, das ich nicht beschreiben kann. Welch eine unbeschreibliche Freude über das Glück, wenn man als notorischer Seitenschläfer nach 14 Tagen das erste Mal nicht mehr auf dem fast durchgelegenen Rücken schlafen muss. Dann das Glück, auch wenn die Schmerzen groß waren, sich zum ersten mal allein in einer Sitzdusche an dem köstlichen Nass zu erfreuen. Oder der erste Besuch eines Gottesdienstes im Krankenhaus, auch wenn ich der einzige Zuhörer war. Dort beglückte mich der Zuspruch: „Fürchte Dich nicht, ich habe Dich erlöst, ich habe Dich bei Deinem Namen gerufen: Du bist mein!“ Zigmal hatte ich dieses Wort schon gehört und auch schon darüber gepredigt. Aber es waren alles nur „Trockenübungen“, es lief ja alles so schön rund und glatt.

Glück bedeutet für mich wieder ganz neu: Es geht, wie es mir auch geht, wohin es auch gehen mag, immer dem Licht entgegen.

Von einem zum anderen Tag musste ich das Glück neu bewerten. Schritt für Schritt wird der Glaube praktisch, das kleine Glück wird erlebbar, weil es keine Bereicherung des Lebens, sondern das Leben schlechthin ist.

Dass Jesus mich erlöst hat, das ist und bleibt aber weiter mein größtes Glück. Nur dieses größte Glück spiegelt sich jetzt in den verschiedensten großen und kleinen Glückmomenten meines neuen Lebens wider.


Verfasst von: Hao | 12. April 2012

Betlehem in Mannheim

„Suche Übernachtungsmöglichkeit“… In der Zwischenzeit lasse ich mindestens jedes zweite Jahr einen solchen „Hilferuf“ durch das Netz schleichen. Berlin, Hannover, Köln, Bremen und München waren bisher meine Suchobjekte nach einer wenige Tage dauernden Bleibe für die Kirchentage.

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Verfasst von: Hao | 12. April 2012

Das leere Grab

Der Herr ist auferstanden,

er ist wahrhaftig

auferstanden! Lies mehr …

Verfasst von: Hao | 29. März 2012

Wenn es Ostern wird….

Gedanken im Vorfeld des Osterfestes

 

 

Verfasst von: Hao | 14. März 2012

Das Leben ist schön

Ich habe ihn lange nicht mehr gehört. Wenn früh am Morgen im Radio seine Andachten vorgelesen wurden, war ich stets hellwach, denn Jürgen Knop hatte immer was zu sagen. Die Texte des Schwerbehinderten saßen, atmeten in seltener Art und Weise praktisches Evangelium zum Anfassen. Ich habe sie nie vergessen, sie haben mich über Jahre geprägt und bis heute noch nichts an Ausstrahlung verloren.

Dann wurde es plötzlich still um den Rollstuhlfahrer. Ich wollte ihn immer mal in Hannover besuchen, hatte auch schon das Heim gefunden, in dem er lebte. Doch dann kam mein Krebs dazwischen und warf mich fast aus dem Leben, aber lange Zeit aus dem Rennen.

Heute stoße ich auf diesen Link, der mich sehr traurig macht. Ich erfahre, dass Jürgen Knop schon 2008 heimgegangen ist. Ich habe umsonst gewartet.

Ich schaue in meinem Archiv nach und finde noch eine Andacht. Hier der Text:


Es kommt nicht oft vor, dass sich uns Bewohnern hier im Wohnpflegeheim Gelegenheit bietet, in die Stadt zu kommen. Ich freute mich deshalb, als ich unter meinen Weihnachtsgeschenken auch einen Gutschein für eine Fahrt in die Stadt fand.


So genoss ich einige Zeit nach dem Fest diesen Ausflug. Ich durfte mir aussuchen, wohin ich wollte. Sicher bereute der Freund sein großzügiges Geschenk, denn mir fiel immer wieder etwas Neues ein, wo ich noch unbedingt hin wollte.

Doch dann war mir kalt, und ich freute mich auf eine Tasse heißen Kaffee. Wir hatten auch bald eine gemütliche Gaststätte gefunden. Sie hatte keine Stufen. Wir kamen mit dem Rollstuhl gut hinein.

Lauter Lärm empfing uns. Wir nahmen an einem der kleinen Tische Platz. Das Lärmen verstummte. Viele Augen schauten zu uns. Etwas später sahen wir, wie der Wirt heftig gestikulierend mit den Gästen am Fenster sprach. Sie schmissen ihre Skatkarten auf den Tisch und machten Anstalten, das Lokal zu verlassen.


Nun kam der Wirt zu uns. Mein Begleiter bestellte zwei Kännchen Kaffee, aber der Wirt winkte ab. “Darf ich Sie bitten, mein Lokal zu verlassen? Die übrigen Gäste fühlen sich durch Ihr Aussehen gestört.”


Mein Begleiter wollte etwas erwidern, doch der Wirt drängte uns zu Tür. “Bitte verstehen Sie, das sind meine Stammgäste, sie haben gedroht, wenn Sie bleiben, gehen sie für immer. Und ich brauche die Stammgäste!” Er drückte mir noch einen Geldschein in die Hand, und wir standen wieder auf der Straße. Der Lärm drang wieder aus der Gaststätte, so als ob nichts geschehen wäre.


Der Freund wollte die nächste Gaststätte ansteuern. Ich protestierte und ließ mich in die nahegelegene Kirche fahren. “All Eure Sorgen werft auf ihn, denn er sorgt für Euch.” Dieser Satz fiel mir ein, als ich nun zum Gekreuzigten schaute. Ich wusste, er, der selber verachtet und verspottet wurde, verstand mich in meinem Schmerz, in meinem Verlassensein.


Ich hatte schon öfter solche unschönen Erlebnisse. Sein Anblick hilft mir dann immer. Er gibt mir immer wieder Mut zum Leben. Gott sei Dank, dass es Christus gibt.

Gott sei Dank, dass es solche Menschen wie Jürgen Knop gab und gibt.

Verfasst von: Hao | 31. Januar 2012

Karneval: No go!

Die tollen Tage scheiden die Geister des Landes. Und zwar kräftig. Für die einen sind sie der Höhepunkt der „fünften Jahreszeit“, wie die drei tollen Tage in den Karnevalshochburgen wie Köln, Düsseldorf und Mainz bezeichnet werden. Die anderen nehmen Reißaus und flüchten.


Dem ganzen Rummel kann ich auch bei Aufbietung aller meiner Kräfte nichts Gutes abgewinnen. Dennoch versuche ich im Blick in die Geschichte dieses Spektakels auch die religiöse Seite von Karneval zu sehen. Diese schlägt heute aber kaum mehr zu Buche.

Das Wort Karneval, das sich im Spätmittelalter über verschiedene Zwischenformen herausgebildet hat, hat seine Wurzeln in der lateinischen Sprache. Es setzt sich zusammen aus den Wörtern “caro” (Fleisch) und “elevare” (aufheben). Der Name Karneval bedeutet also nichts anderes als die “Aufhebung” oder die “Wegnahme des Fleisches”. Er verweist damit auf die bevorstehende Fastenzeit, in der zumindest in früherer Zeit der Verzicht auf Fleischnahrung neben sexueller Enthaltsamkeit im Vordergrund stand.


Karneval ist eigentlich nicht vom Glauben zu trennen. Dann fragt sich nur: Warum sollte ein Mensch, dem Gott normalerweise schnuppe ist, sich denn an den tollen Tagen plötzlich eines Besseren besinnen? Vielleicht haben die Karnevalsfeiern, die im Rahmen von katholischen Kirchengemeinden gefeiert werden, noch etwas von dem religiösen Hintergrund erhalten. Aber was schlechthin bei diversen Karnevalssitzungen geboten wird, hat nach meinen Beobachtungen mit dem christlichen Glauben nichts mehr zu tun.


Deprimierend ist für mich vor allem
die “Millowitschtheologie”, die über allem Geschehen schwebt. “Wir kommen alle, alle in den Himmel”. Ausgehend von der Tatsache, dass die Menschen hier schon auf dieser Erde bereits die reinsten Engelein sind, brauchen wir uns für die Zukunft keinerlei Sorgen zu machen. Es ist doch alles in Ordnung, schließlich sind wir nicht so schlimm, wie uns die Kirche oder die Bibel vorzumachen scheinen.

Doch diese Voraussetzungen sind absolut falsch. Für die reinsten Engelein hätte Jesus nicht auf diese Welt kommen brauchen. Da hätte er es bei seinem Vater, im wahrsten Sinn des Wortes, wesentlich himmlischer haben können. Und das Problem bleibt – und jeder bekommt es nach den närrischen Tagen wieder zu spüren: Wir Menschen sind eben keine Engel, sondern erlösungsbedürftige Geschöpfe.


Das erlebe ich jeden Tag in der Begegnung mit anderen Menschen und vor allen Dingen auch an mir selbst. Ich traue mich jedenfalls nicht, schunkelnd oder auch nicht, in jenes kölsche Glaubensbekenntnis einzustimmen, weil es meiner Alltagserfahrung und einigen biblischen Aussagen widerspricht.


Christen können sich übrigens 365 Tage im Jahr freuen, weil sie allen Grund zur Freude haben. Auch wenn es im Sprachgebrauch leider keine Christenfreude, sondern nur einen „Heidenspaß“ gibt. Warum eigentlich? Als wenn wir Christen nicht auch Spaß haben dürften! Ich will nicht glauben, dass dieser nur für Heiden bestimmt ist.


Deshalb brauche ich auch vor dem großen Verzicht keine große Sause machen. Ich persönlich feiere jeden Tag ab Aschermittwoch mit dem Schreiben einer Passionsmail, die ich an Personen verschicke, die mit mir in aller Stille und Andacht die Passion Jesu miterleben wollen. Dabei habe ich erfahren: Selbst die Passionszeit bietet einiges an Christenspaß.

Verfasst von: Hao | 20. Januar 2012

Kurtagebuch VI

Der Tag fing mit einem Freudenschrei an. In zwei Wochen habe ich 3 kg abgenommen. Ich bin stolz und werde alles dransetzen, damit ich nicht wieder anfange zu fressen. Ich muss es durchhalten.

Am WOE sollen es 23 Grad werden. Ich würde mich sehr freuen, mal wieder an den Strand zu gehen, um richtig durchatmen zu können. Eben komme ich vom Federball zurück. Ich bin KO. Aber es hat ungemein Spaß gemacht, auch wenn mein Puls rast.

Es trifft mich wie einen Schock, Hans muss die Kur abbrechen. Er ist sehr niedergeschlagen. Dabei sieht er aus wie das blühende Leben. Seine Herzschmerzen werden immer heftiger, offensichtlich sind die Stants wieder zu. Er wird von seiner Frau abgeholt. Ich bin sehr traurig, hatte ich doch in ihm einen Bruder gefunden, mit dem ich über alles reden konnte Wir hatten uns gesucht und gefunden. Menschen gefunden…… Ich bete für ihn, dass er es schafft.

Der Herbst kommt mit deutlichen Schritten. Die Blätter wechseln von grün auf gelb-braun. Meine Stimmung wechselt mit, die Zeit des Absterbens in der Natur ist angesagt.

Am Donnerstag ist meine Zeit hier zu Ende. Ich hätte noch lange hier bleiben können, aber einmal muss man Abschied nehmen, spätestens dann, wenn das Leben zur Routine wird und alle Dinge zur Gewohnheit werden.

Es regnet und stürmt draußen. Ich war baden, habe Sport getrieben, die Krankengymnastik und das Ergometer absolviert. Alles läuft automatisch ab. Ich sehe darin einen Sinn, ich fühl mich jeden Tag wohler.


21. September 2004

Viele Bekannte reisen heute ab. Sonderbar, man hat sich eben etwas angefreundet und schon muss man sich wieder trennen.

Der letzte Tag. Noch einmal Stress, der schon beim Wiegen anfängt: „Heute ist kein Wiegetag“, motzt mich Danuta an. Es ist mir schnuppe. Wieder 800 Gramm abgenommen. Ich bin stolz, sind es doch fast 4 kg, die ich runter habe, und das, ohne gehungert zu haben. Es muss so weitergehen.

Noch einmal Krankengymnastik bei Frau Lindhorst. Wir haben uns fast etwas angefreundet, jedenfalls gehen wir sehr fröhlich mit einander um. Sie ist mit meinem Ergebnis sehr zufrieden, ich bin es auch. Die letzte Schwimmstunde ist angesagt. Zum Ergometer gehe ich ohne Anmeldung. Jetzt will ich es noch einmal wissen. 80 schaffe ich nun spielend. Am Anfang hatte ich schon bei 50 schlapp gemacht. Dann die letzte Rückenschule: Auch hier wird richtig geschwitzt.


Das Abschlussgespräch dauert 45 Minuten. Eine nette Ärztin, die aber sehr vergammelt aussieht. Nun denn, es hat sich keiner selbst gemacht, aber etwas Pflege wäre auch nicht schlecht. Wir sprechen alle Dinge noch einmal durch. Ich bin sehr zufrieden, die Kur war genau richtig. Sie meint, dass 90 kg mein richtiges Gewicht sei. Bis dahin ist noch viel Arbeit zu leisten. Ob ich es wohl schaffen werde? Ich will es!!!!!!

Heute ist Herbstanfang. Es ist merklich kühler geworden. Der Sommer ist vorbei. Wie werde ich den Winter überstehen? Ist es der letzte in meinem Leben?

Fazit meiner Kur: Es war eine wunderbare Zeit, die ich nicht vergessen werde. Dafür sorgt schon dies Tagebuch.



Was werde ich ändern? Ich muss mich mehr bewegen, will fettfrei essen, also kein Eis, keine Würstchen, wenig Fleisch, keine Milch, wenig Fett. Außerdem möchte ich früher ins Bett und auch früher wieder aufstehen. Ja, das will ich, das bin ich mir schuldig.

Ich danke Gott für die Zeit in Schönberg-Holm, für die vielen Begegnungen und alles das, was ich bekommen habe und erleben durfte. Ich bin glücklich über die Zeit. Danke Jesus!

Nachtrag Nov. 2006:

Ich habe mein Gewicht halten können. Mit 87 kg konnte ich es sogar noch weiter reduzieren. Ich nehme kaum Fett zu mir, Würstchen und meine geliebten Fritten habe ich seit der Kur nicht mehr gegessen. Rundum hat die Kur mir Dimensionen aufgezeigt, auf die ich nicht mehr verzichten will. Wenn ich könnte, würde ich gerne morgen wieder losfahren.

Verfasst von: Hao | 20. Januar 2012

Kurtagebuch V

17.09.2004 Heute ist Stress angesagt. Um 8 Uhr Rückenschule, ich bin verkehrt, der Plan wird umgeschmissen. Um 8.30 Uhr dann Wassergymnastik. Ein Herzpatient ertrinkt fast, weil er nicht schwimmen kann und das vorher nicht gesagt hat. Ich muss zwischendurch mal, verlasse kurzfristig die Schwimmhalle, komme wieder und mache eine Arschbombe vom Rand ins Wasser. Ich erhalte eine Verwarnung, weil zu lesen ist: “Springen vom Rand verboten. Die Leute beschweren sich, dass sie nichts mehr sehen können, weil ihre Brillen nass sind.

Kurze Zeit später wird ein Echokardiogramm gemacht. Ich warte 20 Minuten, dann komme ich an die Reihe. Ich habe offensichtlich ein gesundes Herz, alles ist am richtigen Platz. Nach 10 Minuten muss ich Radfahren, Anfangspuls 82, nach 10 Minuten 95, nach einer Minute Ruhe 92. Man ist zufrieden. Dann geht es ohne Pause weiter zu einem einstündigen Vortrag über Stressbewältigung. Interessante Aspekte, die es umzusetzen gilt. Es gibt auch einen positiven Stress, nämlich wenn danach entsprechende Ruhepausen gegeben sind,

Nach dem Frühstück geht es ans Fahrradfahren, was mir auch keine Probleme bereitet. Dann habe ich 30 Minuten Zeit. Ich will mich nicht so lange aufs Zimmer setzen, sondern bleibe in der Halle. Da sehe ich eine ältere Frau ein Buch lesen: „Hauptberuf Beterin“. Schon lerne ich die erste Christin kennen, die ihren Mann begleitet. Ich empfinde in diesem Augenblick große Freude, hatte ich doch immer wieder darum gebetet. Wir unterhalten uns lange, ich oute mich sofort. Dann geht es zur Anmeldung für die Stressbewältigungsgruppe. Danach zum Turnen, wenige Minuten später dann ein Referat über Alltagsdrogen, was aber keinen roten Faden hat.


Nach dem Mittagessen mache ich einen zweistündigen Mittagsschlaf und gehe dann in eine Gruppe für Stressbewältigung, die um 15 Uhr anfängt. Sie besteht aus drei Personen, darunter auch Hans, den ich schon am ersten Tag kennen gelernt habe. Ich soll mich vorstellen, was ich auch ausgiebig tue. Als dann irgend so ein besserwisserischer Regierungsrat: „Ich bin auch konfirmiert, gehe auch einmal im Jahr zur Kirche und lese jeden Tag 10 Seiten Belletristik”, ein esoterisches Buch auf den Tisch legt, kann ich nicht anders und erzähle von Jesus. Plötzlich meldet sich ein weiterer Teilnehmer und erzählt, dass er auch in eine Gemeinde geht. Ich wusste es doch, ist er mir doch schon beim Sport positiv aufgefallen.
Im Anschluss frage ich ihn dann und erfahre, dass er aus der Freien Evangelischen Gemeinde in Solingen kommt. Ich bin sprachlos. Ich lade ihn ein zu einer langen Strandwanderung, allerdings kommt dabei das Fotografieren viel zu kurz, kein Wunder, haben wir uns doch viel zu erzählen.


Ich freue mich sehr darüber und denke, dass wir noch einige Sachen miteinander machen werden. Gott geht manchmal seltsame Wege.

Um 18.30 Uhr dann ein Gespräch mit dem Klinkseelsorger. Sechs Personen sind anwesend. Wir stellen uns vor und arbeiten zum Thema: „Wie stelle ich mir meine Insel vor?“ Zum Schluss bitte ich den Pastor mit uns das “Vater unser” zu beten. Er kommt leider einfach nicht auf diese „Idee“. Ich muss mit den Tränen kämpfen.

Juchu, ich habe es geschafft. Bei der Visite des Stationsarztes sagt mir dieser, dass ich eine Woche Nachkur bekomme. Ich hätte nicht damit gerechnet. Abgesetzt wurde auch die Rückengymnastik, weil die Schmerzen unerträglich wurden, Jetzt soll es privat weitergehen. Ich freue mich natürlich sehr über diese Verlängerung, brauche ich mich doch nicht um das Alltagsgeschäft zu kümmern. Ich bin hier in guten Händen und fühle mich sehr wohl. Ich bin mal gespannt, was ich noch so alles erleben darf.


Ich freue mich und bin fröhlich in dir und lobe deinen Namen, du Allerhöchster. Diesen Vers aus Psalm 9 lese ich in meiner stillen Zeit. Freude, auch wenn ich mit 12 Grad kaltem Wasser abgespritzt werde, Wasser, das noch 4 Grad kälter als die Ostsee ist? Ich weiß nicht so recht… Es ist gut für meine Gesundheit, daran will und muss ich mich halten, auch wenn es schwer fällt.


Heute bekomme ich gleich zwei Schocks. Zuerst eine Psychotherapeutin, oder wie sie sich nennt. Jedenfalls muss ich mich vor ihr ohne Vorwarnung bis auf die Unterhose ausziehen. Das hätte man mir vorher sagen sollen. Ich finde das für mich sehr demütigend, bin ärgerlich, sogar etwas sauer. Als ich ihr dann sage, dass ich eine Perikaditis hatte und wir anfangen zu fachsimpeln, meint sie: „Sie müssen sich entweder für den Rücken oder für die Lunge entscheiden.” „Lunge? Was hat denn die Lunge damit zu tun?. Eine Perikaditis ist doch eine Herzgeschichte.” Da wird sie sehr rot und bittet mehrmals um Entschuldigung. Peinliche Geschichte. Egal: Ich stehe fast nackt vor ihr. Warum hat mich denn keiner gewarnt? Und das um 7.20 Uhr, noch vor dem Frühstück.



Dann der nächste Schock: Die Kneipgüsse mit 12 Grad kaltem Wasser. Vielleicht sollte ich mich doch nicht so über die Verlängerung freuen. Wie war das noch mit der Fröhlichkeit???


Was mich immer wieder neu fasziniert und in den Bann zieht, ist die unendliche Weite des Meeres. Oft besuche i
ch zwei- oder dreimal am Tag den Strand, um einen Eindruck von der Unendlichkeit zu bekommen, die es doch auf Erden nicht gibt, geht es doch hinter dem Horizont immer noch weiter, auch wenn man nichts sieht. Faszinierend für mich ist der nahtlose Übergang vom Wasser zum Himmel. Ich versuche immer Fixpunkte auszumachen, aber der Abendnebel beginnt oft schon kurz hinter der Seebrücke und taucht alles in ein diffuses Gemälde mit den Farben Blau, Grau und Türkis. Auf den ersten Blick vielleicht langweilig, aber schaut man dieses Kunstwerk länger an, so erkennt man die Schönheit des Meeres.

Verfasst von: Hao | 20. Januar 2012

Kurtagebuch II

11Uhr 15

Ich bin ein Lernender. Immer wieder habe ich mich heute gefragt, was man denn nun zwischen den Zeiten sagt, wenn man sich auf dem Flur begegnet? Jetzt weiß ich es: „Hallo“. Interessant!

Ich sitze vor der Türe des Arztes und warte. Nichts passiert. Irgendwie habe ich auch keine Lust anzuklopfen. Ich sitze nur einfach so rum. „Will jemand zu mir?“ „Ja, ich!“ “Warum haben sie nicht geklopft?“ Komisch, früher habe ich mir immer meinen Weg freigekämpft. Heute sitze ich einfach so rum und lasse mich verwalten.

„Die Letzten werden die Ersten sein“, meint er. „Das steht in der Bibel“, sage ich. „Ja, kenn ich, im AT.“ „Sorry, aber dieser Satz ist im NT zu finden.“ Er zuckt zusammen, wir fachsimpeln über die Kirche. Sein Vater ist Kirchenbeamter. Gottes Wege sind wirklich wunderbar, auch wenn der Dr. nichts vom Glauben hält.

Er liest sich lange die Entlassungspapiere durch. Er kann nicht verstehen, warum man im KKH keinen Herzkatheder gelegt hat. Die Lyse hätte ins Auge gehen können.

Fast eine Stunde bleibe ich bei ihm. Er imponiert mir, spricht mit mir alles durch. Er bietet mir die ganze Palette an, schließt aber esotherisches Zeugs aus. „Das ist nichts für Sie!“ Er hat es genau erkannt.

Fest steht, dass die ganze Sache wohl eine psychosomatische Angelegenheit war. Gespräche mit dem Psychologen, viel Schwimmen, eine Lehrküche, Stressbewältigung und andere Dinge hatte er aufgeschrieben. Oft schweifen wir ab, er scheint sich für mich zu interessieren, er gibt sich Mühe, es ist sehr angenehm.

Ja, ein hoffnungsvoller Start. Wenn ich gleich das Zimmer verlasse, werde ich mich auf „Mahlzeit“ einzustellen haben. Ob ich so schnell schalten kann??

Nachdem ich zielgerichtet mein Wasser abgelassen hatte, geht es zum Speisesaal. Mir kommt eine ganze Armada an humpelnden und krank aussehenden Menschen entgegen. Ist der Krieg gerade zu Ende gegangen? Vorwärts Kameraden, wir müssen zurück? Die Revolution entlässt ihre Kinder… Vorbei an ausgestopften Lachmöwen, Putzmännern und Menschen, die bei einem Vergleich mit mir nicht besonders gut abschneiden.

Ein riesiger Speiseraum. Nein, da ist keine Einweisekellnerin. Ich versuche meine Nummer zu finden: Vergebliche Liebesmühe. Da finde ich einen guten Geist. Eine Bedienstete geleitet mich zu Tisch 13. Nein, ich bin nicht abergläubisch. Dort sitzt ein älteres Ehepaar, offensichtlich aus Bayern. Ich wende mein charmantes „Morgen“ an und erhalte als Dank eine endlose Litanei von Verhaltensregeln, noch bevor ich mich gesetzt habe. „Sie dürfen nur ein Brötchen essen!“, muss ich mir sagen lassen. Die Leute haben scheinbar auf mich gewartet. Ich gehe zum Büffet. Ich bleibe bei Müsli und Jogurt hängen, dazu eine Tasse Milch. Ich setzte mich wieder, die Frau legt wieder los. Nicht einmal bei meinem Tischgebet hört sie auf. Sie hat es wohl nicht bemerkt. Ich schaue mich vorsichtig um. Manche sehen richtig gesund aus, so dass man fragen müsste: „Was suchen die hier?” Da ein Mann mit langen Haaren, hier eine Frau mit einem Rastazopf, dazwischen Kinder, alle stehen nach Kaffee an.

Ich versuche beim Essen nicht zu schaufeln, weil ich schnell wieder raus will, aber es gelingt mir nicht. Die bayrischen Verhaltensmaßnahmen nerven: „Einmal in der Zeit kommt der Herr Prof. auf ihr Zimmer. Das ist ein netter Mann.“ Nach zehn Minuten bin ich schon satt, obwohl ich wenig gegessen habe. Ja, der Tisch 13.


Dann auf zur Rezeption. Nein, keine Papiere, wie die bayrische Madonna mir gesagt hatte. Den Weg hätte ich mir sparen können.

Anschließend weiter zum EKG. „Morgen, Morgen, Morgen“. Will es denn gar nicht aufhören? Da gibt es doch auch noch einen Mittag, einen Nachmittag und auch noch einen Abend. Das kann heiter werden.

Ich irre durch das Haus. „Kommen sie mit mir, ich zeige Ihnen den Weg!“ Die bayrische Maria
steht wieder da. Sie bringt mich ans Ziel, wo ich höre: „Hier sind sie verkehrt.“

Ich kämpfe mich weiter durch. Um 8.10 Uhr habe ich mein
Ziel gefunden. Was soll der Unsinn? Ich hab doch erst um 8.30 Uhr einen Termin und bin schon hier? „Morgen, morgen, morgen.“ Ich muss mir einen anderen Platz suchen, ich will nicht auf dem Präsentierteller sitzen.

Da kommt ein Pfleger mit einem leeren Rollstuhl. Bin ich froh, dass ich einen solchen noch nicht brauche. Nach zwei Minuten ist er wieder da. Der Rollstuhl ist mit Akten beladen. „Sie haben aber einen komischen Patienten“, rutscht es mir raus. Er grinst: „Meinen sie etwa, ich würde das Zeugs schleppen?“

Um 8.30 Uhr ist es soweit. „Oberkörper freimachen!“ Ich mag es nicht, wenn man sich so vor fremden Frauen entblättern muss, wenn sie so dicht an einen herankommen. Nicht einmal ihren Namen kenne ich. Nach zwei Versuchen: Die Elektroden halten nicht. „Ich muss sie rasieren.“ „Das steht aber nicht im Programm“, erwidere ich, lasse es aber mit mir machen. Ich glaube, ich muss noch viel mit mir hier machen lassen. Dann klappt es.

Ich versuche wieder den Weg zu meinem Zimmer zu finden. Nun brauche ich nur einmal zu fragen. „Morgen, Morgen, Morgen.“ Ich habe mich schon dran gewöhnt.

Um 10 Uhr habe ich eine Untersuchung. Ich wollte hier mal Urlaub machen, werde aber schon ganz nett gescheucht und das am ersten Tag. Was mag noch auf mich zukommen? Werde mich jetzt schon langsam auf „Mahlzeit, Mahlzeit, Mahlzeit“ einstellen. Aha, gerade kommt die Putzfrau. Handtücher werden nur zweimal in der Woche ausgetauscht. Da lebe ich ja in meinem Kobel noch hygienischer.

Verfasst von: Hao | 20. Januar 2012

Kurtagebuch I

2004 habe ich auf Grund einer Herzgeschichte eine Kur in Schönberg/Ostsee machen müssen. Damals hatte ich noch keinen Blog. Trotzdem stelle ich das Kurtagebuch hier auszugsweise hinein.

26.August

Angekommen. Ich bin in der Ostsee-Klinik Schönberg-Holm, angekommen nach 281 km um 19.30 Uhr. Angekommen? Wohl kaum. Ich bin angekommen, aber meine Gedanken sind überall, nur nicht hier. Ich kam erst gegen 15.15 Uhr los. Eigentlich sollte ich schon um 14 Uhr hier sein, doch mit den Terminen ist es bei mir so eine Sache. Die Fahrt war nicht einfach.

Ich fuhr von einem Gewitter in das Nächste, schaffte aber dann doch die Strecke von 280 km ohne Unfall. Vorher hatte ich natürlich noch im Haus sehr viel zu tun, um es einigermaßen sauber zu verlassen.

Natürlich war die Rezeption schon dicht. Im Flur saßen zwei wohlbeleibte ältere Herren, die mir weiterhalfen. Ich wurde zu einer Krankenschwester geleitet, die mir dann mein Zimmer zeigte. Ich traute meinen Augen nicht: Ein herrlicher Meerblick. Sagte ich “Meerblick”? Nein, vielleicht meinte ich Mehr-Blick. “Ja, das Meer ist da hinten irgendwo!” Danke für die Auskunft. So kommt es, wenn man die Prospekte nicht liest. Ich hatte nicht einmal Muße mich im Net umzusehen, was Schönberg zu bieten hat. Dafür habe ich eine Einladung einer christlichen Versammlung gesehen, die ich am Sonntag besuchen werde.

“Sie müssen morgen um 7.30 Uhr zum Wiegen bei Schwester Danuta sein!” Ich las den Zettel auf meinem Schreibtisch. Ein starkes Stück, die Leute kennen mich nicht einmal und schon werde ich erwachsener Mann herumkommandiert. Das fängt schon gut an. Auf dem Weg zum Zimmer mache ich die ersten Geruchsproben. Nein, das ist keine Nobelherberge, es scheint ein Kurhaus zu sein. Es riecht nach Krankenhaus. Ich werde mich daran zu gewöhnen haben.

Mit einer Karre fahre ich meine Koffer in den zweiten Stock. Der Zimmerschlüssel passt nicht. Kein Wunder, wenn die Nummer nicht identisch mit dem Zimmer ist. Zum Glück hat das keiner gemerkt. Ich packe die Sachen aus. Ich will Ordnung halten, will das Zimmer nicht verschlampen. Habe wieder einmal die Seife vergessen. Nein, hier gibt es keine. Es muss gespart werden. Auf dem Tisch entdecke ich einen Apfel und eine Birne. Mein Abendessen. Zum Glück sind sie nicht aus Plastik. Ich vermisse mein Handy. Ist es noch im Auto? Ich will heute nicht noch suchen, denn die Türen werden früh geschlossen. Ich mache eine Kur. Kuren tätigen alte Leute, aber nicht ich? Doch, ich bin alt, langsam schleichend hat sich das Alter meiner bemächtigt. Ich kann mich nicht wehren, alles geht viel langsamer als noch vor einigen Jahren. “Morgen bekommen Sie ihren Essplatz zugewiesen”. “Aha”, denke ich, “bist aber schon tief gesunken!” Nein, ich kann mich nicht dahin setzen, wo ich möchte, ich werde platziert. Hatten wir das nicht schon einmal im Osten? Das kann ja noch heiter werden.

Ich entdecke bei meinem Gang in mein Zimmer immer nur alte Menschen. Logo, junge Hüpfer bekommen auch keine Kur. Irgendwie bin ich geladen. Ich sollte doch eigentlich dankbar für das Geschenk sein. Na ja, mal sehen, was der neue Tag bringt.

27. August 7.11 Uhr

Ich habe sehr gut geschlafen, allerdings fehlte mir ein Kopfkissen, was ich heute vom zweiten leeren Bett nehmen werde. Ich darf auch im Schlaf den Überblick nicht verlieren. Der Wecker des Handys, welches ich mir noch am Abend aus dem Auto geholt hatte, reißt mich aus sinnlosen Träumen heraus. Die Dusche erfreut mich. Ich ertappe mich dabei, wie ich das Lied “All Morgen ist ganz frisch und neu” summe. Ja, Morgenstund hat Gold im Mund. Ich sollte wieder früher aufstehen und auch früher ins Bett gehen. So, jetzt lasse ich mich wiegen und mir einen Platz zuweisen. Ich will nicht meckern und überheblich sein, aber das Tischgebet lasse ich mir dann doch nicht nehmen. Basta!

8.45 Uhr Hurra, Hurra, Heureka: Ich hab mein Zimmer wieder gefunden. Nun gelte ich doch nicht als vermisst. Ich mache mich auf den Weg zu Schwester Danuta. Jeder hier im Haus grüßt mich: “Morgen, morgen, morgen”. Irgendwie geht mir das auf den Keks. Scheint wohl ein ungeschriebenes Gesetz im Hause zu sein. Wie oft ich heute schon unbekannte Menschen gegrüßt habe? Das hab ich in den letzten vier Jahren nicht geschafft.

Ich bekomme die ersten Termine und ein Röhrchen. Wie soll ich darein machen? Aha, nun erhalte ich auch noch ein entsprechendes “Füllgerät”. Abgabe am Montag. Soll ich erst am Montag rein pieseln oder schon jetzt und das Ganze stehen lassen? Warum sagt mir das keiner?

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