Verfasst von: Hao | 2. November 2011

Erinnerungen an Vater (I)

geb. 23.08.1910, gest 01.04.1986

Traueransprache für meinen Vater am 08.04.1986

Liebe Trauergemeinde,

Wir sind heute zusammengekommen, um Abschied zu nehmen von einem Menschen, den wir alle sehr gut gekannt haben. Wir standen in den verschiedensten Beziehungen zu ihm.

Otto
– war der Ehemann, Vater und Opa
– war das treue Gemeindeglied
– war vielleicht Ihr Arbeitskollege
– war der gute Geist in Ihrem Haus, der mit Geschick und unendlicher Geduld Ihnen Ihre Sachen wieder heil gemacht hat. Ein Anruf, und er war immer zur Stelle.

Wir alle, die wir ihm heute die letzte Ehre erweisen, kannten ihn, der Eine mehr, der Andere weniger. Jeder von Ihnen könnte sicher stundenlang über seine Erfahrungen und Erlebnisse mit ihm reden.

Und doch wissen wir alle nur kleine Winzigkeiten von ihm. Das Mosaik, welches wir über sein Leben zusammentragen, würde nur Stückwerk bleiben. Wer er nun wirklich war, das aber vermag nun wirklich keiner von ihnen zu sagen, denn wer weiß schon, wer und was der Mensch eigentlich ist?

Es ist aber doch noch jemand da, der den Vater kennt. Er weiß nicht nur Bruchstücke von seinem Leben, nein, er kennt ihn ganz und gar.

Er kennt ihn nicht nur
– als Ehemann
– als Familienvater
– als guten Geist für andere
– als Arbeitskollege

Nein, er kennt ihn als Mensch mit all seinen Stärken und Schwächen.

Es ist der allmächtige Gott, es ist sein Sohn Jesus Christus, es ist der Heilige Geist. Diese Drei kennen ihn mehr und viel besser, als wir alle zusammen.

Gott hat den Vater gesehen, als er tief im Mutterleibe verborgen war, als die Oma Bahn noch nicht wusste, dass sie schwanger war, als er am 23.8.1910 in Hückeswagen das Licht der Welt erblickte.

Gott hat ihn gesehen, in seiner Kindheit, in seiner Jugend. Er hat ihn gesehen in den dunklen Tagen des Krieges, in der Nachkriegszeit. Bei jedem Kilometer, den er in seinem Leben gefahren ist, und wenn es nur die Strecke Remscheid nach Köln war, hat Gott ihn gesehen und wunderbar bewahrt. Er hat ihn gesehen auf all seinen Wegen, bei jeder Tätigkeit. Er sieht ihn auch jetzt noch, auch dann, wenn wir ihn nicht mehr sehen. Und weil Gott den Vater immer gesehen hat, so hat er sich auch mit ihm beschäftigt. Der Vater hat dieses schon früh gemerkt. „Da muss doch jemand sein, der mir immer nachgeht, der ein großes Interesse an meinem Leben hat.“ Und weil Gott den Otto schon von Anbeginn seines Lebens gesehen, erkannt und geliebt hat, so hat der Vater schon in sehr frühen Jahren diese Liebe zu Gott und Jesus Christus erwidert, ganz schlicht und einfach.

Und Gott ist mit ihm weiter durch das ganze lange Leben gegangen. Die Wege von Vater und Mutter trafen sich. Mitten in einer dunklen Zeit, am 15. April 1941, gab er seiner Frau Margarethe das Ja- Wort. Dieses Ja-Wort hat er bis zum letzten Montag halten können. Gott gab dem Vater eine Frau, die ebenfalls genau wusste, dass der Schöpfer sie von Anbeginn gesehen, erkannt und geliebt hat. Auch sie hat in aller Schwachheit diese Liebe zu Gott erwidert. Wunderbar, wenn man sich gegenseitig im Glauben tragen kann. Gott hat diese Ehe mit zwei Söhnen gesegnet.

Diese Ehe war an vielen Punkten keine einfache. Der Vater war ein echter „Hebbekus“ mit vielen Ecken und Kanten. Das sage ich hier ohne Vorwürfe. Nur wer wirklich mit einem echten Hebbinghaus verheiratet ist, wird mich verstehen können. Gott hat der Familie sehr viel Liebe und noch mehr Verständnis für den Vater gegeben.

Gott, und nur Gott alleine, hat den Beiden Mut und Kraft für die 45 Jahre lange Ehe geschenkt.

Ich will ehrlich sein, manchmal war es mit dem Vater, aber auch mit Rainer und mir nicht ganz einfach. Oft hatte der Vater es aber auch mit der Familie schwer. Wer von uns kann sich denn schon rühmen, keine Ecken und Kanten zu haben, die den anderen stören und ihm das Leben schwer machen?

Diese Ecken und Kanten sind von Gott gesehen und erkannt worden. Und darum hat er den Vater immer wieder, sein ganzes Leben lang, in die Gemeinde geschickt, also an den Ort, wo ihm durch die Liebe Gottes und seines Sohnes Jesus Christus diese Ecken und Kanten vergeben wurden. Nach seiner schweren Gallenkrankheit, bei der er von Gott wunderbar durchgetragen wurde, hat er in den letzten Monaten seines Lebens noch sehr viel gelernt.

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