Verfasst von: Hao | 2. November 2011

Erinnerungen an Vater (II)


Gott hat diesen eckigen Mann, diesen schlichten Bruder ausgerüstet mit Gaben und ihn in seinem Reiche eingesetzt. Er war kein großer Redner. Nie stand er auf der Kanzel. Nein, aber er saß immer unter der Kanzel und hat mit Hilfe seiner Frau 15 Jahre das gedruckte Wort Gottes in der Gemeinde verteilt. Eigentlich nur mit Widerwillen hat er sich vor einiger Zeit von dieser für ihn und der Gemeinde so wichtigen Aufgabe getrennt. Auf ihn konnte man sich verlassen. In den letzten Jahren hat er seine Hemmungen immer wieder durchbrochen, und in der Versammlung Lieder vorgeschlagen. Das war sicherlich immer eine große Mutprobe für ihn, der doch nicht die Gabe des Redens hatte. Dabei konnte man feststellen, dass die Lieder, die er vorschlug, sehr oft von der neuen und ewigen Heimat droben im Himmel handelten.

Und nun ist sein Platz leer. Die Familie schrumpft zusammen. Sein geliebter Platz in der Garage, in der immer ein Chaos herrschte, durch welches nur der Vater durchblickte, ist leer. Der Platz, der Stammplatz in der Gemeinde ist verweist und viele auch von Ihnen müssen sich nach einem anderen Menschen umsehen, den sie abends auch noch um 23 Uhr anrufen können, der Ihre kaputten Klamotten wieder heil macht.

Was bleibt, sind die vielfältigsten Erinnerungen an den Heimgerufenen.

Bleibt wirklich nicht mehr, als die Erinnerungen, die Leere und vielleicht unsere gemeinsamen Anklagen: „Hätten wir ihn nicht doch noch lieber haben sollen?“


Es bleibt mehr, viel mehr. Es bleibt neben der tiefen Dankbarkeit für sein Leben und Wirken die unverrückbare Tatsache, dass er nun bei dem sein darf, dem er bis zum letzten Tag vertraut hat.

Gott hat ihn nicht an einem ganz normalen Tag zu sich gerufen. Er hat sich einen ganz besondern Tag ausgedacht, nämlich Ostern. Das ist für mich kein Zufall. Wenn Gott Menschen zu sich ruft, dann denkt er sich immer etwas dabei. Er hat es dem Vater geschenkt, dass er am Ostersonntag noch einmal die ganze Familie um sich hatte. Wir haben intensiv überlegt, wo die Eltern gemeinsam den Lebensabend verbringen können, nachdem klar wurde, dass das Haus auf Dauer für die Beiden eine zu große körpe
rliche Belastung darstellt.

Wir haben uns hin und her Gedanken gemacht. Dabei waren wir laut und fröhlich, wie lange nicht mehr.


Er aber wurde dabei immer stiller. Er fühlte sich am Schellenberg, in seiner Garage sehr wohl. Wir machten Pläne für einen schönen Altensitz und er äußerte sich nicht dazu, als wenn er sagen wollte: „Macht Ihr man, der Herr Jesus steht schon vor der Türe und will mich abholen. Er hat einen viel schöneren Altersruhesitz für mich“.

Dieser Ruheort ist nicht der Friedhof, ist nicht das Grab, nein, seine himmlische Wohnung, auf die wir alle, wenn wir sie sehen würden, sicherlich sehr neidisch wären.

Gott hat den Vater Ostermontag zu sich geholt. Am Ostersonntag hat er noch mit der Gemeinde die Auferstehung seines Herrn gefeiert, hat sich einladen lassen zu Brot und Wein. Nur einen Tag später sitzt er schon an der himmlischen Tafel und kann das alles noch nicht fassen.

Er sitzt bei dem, der gesagt hat: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, ob er gleich stürbe; und wer da lebt und glaubt an mich, der wird nimmermehr sterben“. Das ist auch die neutestamentliche Losung für den Ostermontag gewesen.

Das sagt Jesus zur Marta, der Schwester des Lazarus. Und er demonstrierte an dem toten Lazarus seine königliche Macht. Lazarus stand auf und ward lebendig.

Diese Kraft und Macht, die nur Jesus haben kann, wird er auch an dem lieben Vater erweisen. Er wird ihn wieder auferstehen lassen, nämlich dann, wenn Gott es bestimmt. Für den einen ist das vielleicht das übliche Reden bei einer Beerdigung, für die Hinterbliebenen und für die Menschen, die Jesus lieb haben der einzige Trost, der durchträgt.

Wir haben bei der Erstellung des Todesbriefes Wert auf die Feststellung gelegt, dass Vater nicht gestorben, sondern heimgegangen ist. Welch ein großer Unterschied besteht zwischen diesen beiden Begriffen: Sterben und Heimgehen? Sterben, das ist etwas Endgültiges, Unwiderrufliches.

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