Verfasst von: Hao | 5. November 2011

Bitte (nicht) stolpern!

Unter den Blinden ist der Einäugige König

So fing alles einmal in Remscheid-Lennep an…

Eigentlich sollte ich Gerhard heißen, aber mein Vater war beim Standesamt offensichtlich so aufgeregt, dass dem Otto nur ein Sohn mit Namen  „Hans Otto“ einfiel. Praktisch, oder?

Wie, noch nie gehört? 1948 war Hans Otto noch modern, heute jedoch weist er nicht nur im „Interfies“ bei der Turnschuhgeneration den Träger als einen Grufti aus. Aber Hao trägt sein Alter mit Fassung.

Nenn mich einfach Hao, dann fühle ich mich angesprochen!


Warum ich auf dem Babybild dicke Backen habe? Nee, das war kein Babyspeck, sondern die Auswirkung eines großen Geschäftes, das sich bereits vor dem Fotografieren durch heftigste Flatulenzen bemerkbar machte und das ich dann bei meinem ersten Casting auf dem Sofa unter erheblichem Druck unbedingt erledigen musste.

Ich hätte es nicht gewusst, wenn es mir meine Mutter nicht später einmal in einer stillen Stunde unter dem Siegel der Verschwiegenheit gesagt hätte. Inzwischen bin ich natürlich schon lange stubenrein.

Hao auf der Suche nach (s)einer Persönlichkeit

„Junge, geh doch nun endlich mal zum Friseur!“ Nicht nur diesen mahnenden Satz habe ich in den 60er Jahren immer wieder hören müssen. Hao ist einfach nicht gegangen, weil er einen dicken Kopf hatte, obwohl er sich nicht als einen typischen 68er bezeichnet. In diesem Kopf nahm und nimmt bis zum heutigen Tag die Musik meines alten Freundes, Johann Sebastian Bach, und dessen Kollege, Georg Friedrich Händel, sehr viel Raum ein, denn ihre Werke sowie die komplette klassische Musik bringt meine Seele zum Schwingen. Natürlich sorgt auch noch andere Musik im Stil von Reinhard Mey dafür.


Ich erlernte den Beruf des Graveurs, übte diesen 10 Jahre aus. Dazwischen musste ich 18 Monate in der Hochzeit des Kalten Krieges meine Heimat „verteidigen“. Von 1973 bis 1976 befand ich mich in einer seminartheologischen Ausbildung für die Arbeit eines Diakons im Johanneum, ein freies Werk innerhalb der Evangelischen Kirche.

Nach Bochum, wo ich von 1976 bis 1981 als Jugendreferent tätig war, verschlug es mich an den Südrand der Lüneburger Heide. Hier war ich für die Betreuung von Spätaussiedlern und DDR-Übersiedlern zuständig.

Wer ist wer?

Wer der Typ ist, der neben mir auf dem Bahnhof in Irkuzk steht, kann ich leider nicht sagen. Er war plötzlich da, hat sich nicht einmal vorgestellt, aber er hat mich ohne zu fragen einfach liebevoll umarmt, auch wenn er etwas „streng“ roch und seine Fingernägel nicht geschnitten waren. Damit muss man rechnen, wenn man mit der Transib fährt.

Doch nach 15 Jahren im Zuge des Mauerfalls kam das befürchtete berufliche Aus. Dennoch war die Feier meines 42. Geburtstages mit einem Grenzer auf einem Wachturm unvergesslich und wohl in der deutsch-deutschen Geschichte ein einmaliger Vorgang.

 

Durch die Wiedervereinigung begann für mich eine berufliche Neuorientierungsphase, auch wenn ich einen Arbeitsprozess gewann. Ich entdeckte die Gabe des Schreibens und arbeitete als freier Journalist in den 90er Jahren bei verschiedenen Printmedien. Später kam der Hörfunk noch dazu.  Weiterhin machte ich eine Ausbildung als Versicherungsfachmann (BWV) und eröffnete je eine kleine Versicherungsagentur im Westen und im Erzgebirge.

2007 der gesundheitliche Einbruch: Lympfdrüsenkrebs. Ich wurde, neun Tage nachdem sich meine alte Versicherung brutal von allen  älteren  Mitarbeitern getrennt hatte und ich eine neue Gesellschaft fand, in Rente geschickt. Trotz der Prognose der Ärzte, dass es „Weihnachten 2007 eng werden könnte“, lebe ich heute noch dankbar und gelassen, weil ich weiß, dass meine Zeit in Gottes Händen liegt.

Wenn ein Prediger fehlt, helfe ich gern aus. Personen, die kirchlich nicht gebunden sind, verhelfe ich zu einem würdigen Begräbnis. Wenn ich dann noch Freizeit habe, betreue ich ehrenamtlich Spätaussiedler. Über mangelnde Vielseitigkeit kann ich also nicht klagen.


Hao hat sich wohl verändert, oder?

65? Was? jetzt schon?
Splittert jetzt hier und da der Lack, bin ich jetzt auch so`n alter Sack,
zu dem ich und meine Gefährten, jeden, der über zwanzig war, gnadenlos stempelten und gar zum Zausel und scheintot erklärten?
Rieselt in meinem Hirn der Kalk, hat aus dem Nacken sich der Schalk verkrümelt,…..frag ich mich beklommen?
Hat meine Jugend über Nacht, sich leise aus dem Staub gemacht und ich hab’s gar nicht mitbekommen?
65? Ja, wohl schon, die reifere Generation!


Hilf, Herr meines Lebens,
dass ich nicht vergebens,
dass ich nicht vergebens hier auf Erden bin.

Hilf, Herr meiner Tage,
dass ich nicht zur Plage,
dass ich nicht zur Plage meinem Nächsten bin.
Hilf, Herr meiner Stunden,
dass ich nicht gebunden,
dass ich nicht gebunden an mich selber bin.

Hilf, Herr meiner Seele,
dass ich dort nicht fehle,
dass ich dort nicht fehle, wo ich nötig bin.

Hilf, Herr meines Lebens,
dass ich nicht vergebens,
dass ich nicht vergebens hier auf Erden bin.

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Responses

  1. WOW
    wie süß, der kleine Hao und der große auch …..
    schön gemacht
    Kompliment und DANKE !

    bei Dir hier ist so viel zu entdecken, eine tägliche Freude!!!!


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