Verfasst von: Hao | 26. November 2011

Dennoch

Die Hoffnung findet ihren Platz  Ladina P.

Gerade erst noch warst Du ein kerngesunder Baum mit hoffnungsvoll grünen Blättern, stabilen Ästen und einem Stamm, an dem das Leben unaufhaltsam emporkletterte. Und nun?

Tränen hängen anstelle von Blättern an Deinen Ästen, die zeitweise schmerzen, weil am Stamm eine Krankheit nagt. Die Unbeschwertheit und die Leichtigkeit sind dahin, Deine Seele blutet, plötzlich ist da Angst vor der Zukunft.

Wenn irgendwann alles drüber und drunter geht, wenn Du die Orientierung verloren hast und nicht mehr weißt, wohin Du dich wenden sollst, wenn Du dich hilflos ausgeliefert fühlst und Du denkst, Du bist verloren….


Doch die Hoffnung findet ihren Platz auch dort, wo Tränen sind, auch dort, wo Schmerzen sind, auch dort, wo Angst ist und Ungewissheit. Wenn auch nur ein winziges Plätzchen für sie frei ist, inmitten Deiner Not, sie findet es und lässt sich nieder. Sie wird ein Nest bauen in Dir, ein Nest aus Halmen, so zart und zerbrechlich wie das Leben, aber sie flicht daraus eine Bleibe, die standhaft ist und beweglich zugleich. Die Hoffnung wird zu singen beginnen und Deine Seele tanzt.

Mögen auch Tage kommen, an denen Du zweifelst, mögen auch Stürme und Dunkelheit Dich bedrohen, die Hoffnung findet wieder zu Dir zurück, immer und immer wieder, so lange Du es zulässt.


Nicht das Ende

Alt geworden steht er da,
spendet kühlen Schatten
Seiner Blätter kühles Dach,
labt die Müd und Matten.


Dunkle Wolken zieh´n herauf,
künden ein Gewitter,
Blitze zucken drohend auf
künden an den Schnitter.


Da, ein Blitz, ein Donnerschlag,
daß die Funken stieben.
Halb der Baum darniederlag,
halb ist er geblieben.


Halber Baum, bist tief verletzt,
stehst im Lauf der Zeiten.
Eine Hälfte ist versetzt
in die Ewigkeiten.


Blitz und Donner sind verzogen,
golden strahlt die Sonne,
und ein schöner Regenbogen,
zeigt des Lebens Wonne.


Halber Baum,
dein Blätterdach ist zwar eingeschränket,
doch Du kannst hier tausendfach
kühlen Schatten spenden.


Schatten spenden ist Dein Ziel,
Labsal für die Matten,
denen die im Lebensspiel
wenig Glück nur hatten.


Halber Baum, bedenke wohl
in den Ewigkeiten;
wirst Du dann der Freude voll,
Einheit neu erreichen.


Halt ein Plätzchen frei für die HOFFNUNG!

Für viele Menschen ist es eines der wichtigsten Wörter, wenn nicht das wichtigste: „Dennoch“. Da hat ein bildhübsches Model nach einem Unfall den Unterschenkel amputiert bekommen. Aus und vorbei mit der Karriere auf dem Laufsteg. Doch sie steckt nicht auf, wird Schauspielerin, macht mit Humor und Charme dreimal ihr Handicap wieder wett und wirbt auf einem großen Plakat, das ihre Beinprothese unverhüllt zeigt, für die Anerkennung Behinderter.


Eine Familie muss aus einem Krisengebiet fliehen. Ihr Häuschen ist niedergebrannt, Verwandte sind ermordet worden. Die achtköpfige Familie lebt völlig verarmt in Deutschland. Doch als es die politische Lage zulässt, gehören sie zu den ersten, die zurückkehren und sich an den mühsamen Wiederaufbau machen. „Dennoch“, sagen sie und beginnen von neuem. Was bleibt einem Menschen nach Unfall, Krankheit, Flucht auch schon anderes übrig? Er muss „dennoch“ sagen, wenn er sich nicht vollends aufgeben will.


Etwas ungewöhnlicher, aber keineswegs neu, ist die Tatsache, dass auch Gott „dennoch“ sagt. So etwa nach der Sintflut: Ich weiß, dass die Menschen wieder rücksichtslos mit meiner Schöpfung und miteinander umgehen und dass sie mich vergessen werden. Dennoch soll nicht aufhören: Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht. Obwohl die Menschen einander betrügen und bekämpfen, obwohl Unschuldige Gewalt erdulden müssen, dennoch gebe ich die Menschen nicht auf. Einige werden einander schon aufrichtig lieben, werden verantwortlich leben und handeln. Darauf baue ich, sagt Gott.


Was machen wir, wenn die Angst hochkommt und all die schönen Eindrücke und Glücksgefühle in uns „überschwemmt“? Wie gehen wir damit um, wenn sich Angst breit macht – in uns und um uns? Wenn der Boden unter unseren Füßen sich aufweicht und unser Lebensgebäude zu wackeln beginnt? Wenn wir den Halt verlieren und von einer inneren Verunsicherung „heimgesucht“ werden?


Wir sind seit dem 11. September 2001, den Amokläufen in Erfurt und Winnenden, den Unweltkatastrophen, dem japanischen Supergau und den Nazimorden an türkischen Mitbürgern  aufgeschreckt worden. Wir sind auch im Blick auf die Machenschaften der Banken und dem Pleitegehen ganzer Staaten weltweit verunsichert.


Wir spüren, gegen solche Ereignisse sind wir als einzelne machtlos, ohnmächtig und ratlos. Ich frage mich wie viele andere: „Was wäre, wenn es mich trifft?“ Ich weiß doch nicht, ob es morgen nicht auch mich und uns treffen kann. Es gibt große Katastrophen, die über uns kommen, aber es gibt auch viele kleine Lebenskatastrophen, die über uns kommen können. Ich denke da an Krankheiten, an zerbrechende Familien, zerbrechende Freundschaften, plötzliche Arbeitslosigkeit und viele andere negative Lebenseinschnitte.


Vieles in unserem Leben brocken wir uns selbst ein. Für den Rest sorgen andere, manches widerfährt uns aber einfach, wogegen wir uns auch nicht wehren können. Das sind gesellschaftliche Probleme oder ganz einfach das Leben, das offensichtlich nicht ohne Leid zu haben ist.

Was hält mich, wenn´s anders kommt, als ich mir das wünsche? Was gibt mir Halt im Leid? Manche reden in solchen Situationen von Heimsuchungen. Jedes Leid ist auch eine Chance Gottes für uns Menschen, dass wir ihn suchen und bei ihm Hilfe finden. Leiden kann auch ein Ruf sein – hin zu Gott, heim zu Gott.


Ich komme zur Krippe, sehe ein kleines wehrloses Kind, das schutzbedürftig ist und mir keinen Deut helfen kann. Ich gehe zum Kreuz und sehe einen scheinbar gescheiterten Gott und höre dennoch die Stimme: „Das zerstoßene Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen“. (Jes 42,3)

Unvorstellbar, aber es ist so. „Nein, ich mache dich nicht kaputt, wenn alle anderen dich anklagen: Du bist mein Kind, dich habe ich lieb, für dich bin ich auf diese Welt gekommen“. Und ich? Ich kann nicht anders: Aus meinem oft harten „Trotzdem“ will Jesus ein weiches „Dennoch“ machen. „Dennoch bleibe ich stets an dir; denn du hältst mich bei meiner rechten Hand“. (Ps. 73, Vers 23)


Gott hält, was er verspricht. Er will und kann mich halten, wenn ich den Halt verliere und sich in mir und um mich große Verunsicherung breit macht. Das ist keine Versicherung gegen Katastrophen, aber ein Halt für das Leben. Dieser Halt kommt aus dem Glauben. Der Glaube hat mit Gottes Wort zu tun. Der Glaubende, der sich auf sein Wort, auf seine Zusagen verlässt, wird darin letztlich die Erfahrung machen, gehalten zu werden.

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Responses

  1. Ein schöner Beitrag
    Danke !!!


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