Verfasst von: Hao | 26. November 2011

Die Nummer zum Himmel

Die Nummer zum Himmel

Zu den „unbestrittenen Größen“, die Questico ihrem meist weiblichen Publikum anbietet, gehört zweifellos Gitti Tack, alias Brigitte Schmidt. Großmundig werden ihre Dienste mit den Worten angeboten:
„Ihre Beratung ist ein Methodenmix aus einfühlsamem Kartenlegen, gepaart mit Hellsicht. Durch das Channeling erhält Brigitte zusätzlich Antworten aus den höheren Sphären, die sie mit Hilfe des medialen Schreibens aufzeichnet. Auch kontaktiert sie mit großem Erfolg das Jenseits und erhält von dort ganz eindeutige Erkennungszeichen und Berührungen. Oftmals benötigt sie gar keine Hilfsmittel, sondern erhält ihre Antworten einfach über ihre Hellsicht. Um manche Lebenssituationen verstehen zu können, müssen sie aus einer höheren Ebene betrachtet werden. Zusammenhänge, die aus der Nähe undurchdringlich erscheinen, können so klarer zutage treten…“

Flitzen und Kugeln

Die Vermittlerin göttlicher Botschaften sagt weiter von sich: „Als Schreibmedium bekomme ich Botschaften aus dem Jenseits. Man diktiert sie mir. Geistwesen führen meine Hand. Das kann spontan der Fall sein oder auf Befragen. Ich selbst bin nur Mittler zwischen Diesseits und Jenseits. Als ich vor Jahren meine spirituelle Veranlagung entdeckte, wandte ich mich an Professor Bender, den Leiter des Institutes für Parapsychologie und Grenzwissenschaften in Freiburg. Er attestierte mir „eine hochmediale Veranlagung“. Ich sei ein Schreibmedium, das handschriftliche Mitteilungen aus dem Jenseits in Form von „automatischem, medialem Schreiben“ produzieren könne.“

Gitti Tack ist Fachfrau für „Flitzen und Kugeln“, wie sie ihre Techniken bezeichnet. Für das „Flitzen“ steht der blonden Frau mit dem permanenten Zwinkern im rechten Auge (vielleicht ein Zeichen aus dem Universum?) Lydia zur Verfügung. Jenes Geistwesen aus der unsichtbaren Welt führt der Spiritistin, die man schwerlich ernst nehmen kann, die Hand, wenn sie die himmlischen Botschaften auf einer Unmenge von Zetteln aufschreibt. Dabei hält die Schwäbin lediglich den Stift, während Gehilfin Lydia die eigentliche Führung des Schreibgerätes übernimmt. Meistens stehen nur Wortfetzen auf dem Blatt, da Freundin Lydia sehr groß schreibt.


Beim „Kugeln“ bedient sich Gitti Tack einer Kristallkugel, die sie permanent streichelt wie ein Jäger seinen Dackel, wenn er mit Erfolg ein erlegtes Wild apportiert hat. Ist der Verstorbene länger als ein Jahr tot, kommt fast immer ein Kontakt zustande, die Märchenstunde kann beginnen. Hat man es mit einem Suizid zu tun, muss man dieses vorher ansagen, weil dann in „einen anderen Kanal umgeschaltet werden muss“. Durch das Aufzählen belangloser Dinge wie: „Dein Mann hat viel gearbeitet“, „Deine Mutti kochte immer tollen Pudding“, „Dein Bruder hat Dich immer geneckt“, schafft Gitti Tack Vertrauen, das die meist weiblichen Anruferinnen sich bestätigt fühlen und oft in Tränen ausbrechen. Hat die gewiefte Geschäftemacherin mit dem Leid der Menschen erst einmal das Einfallstor gefunden, steigert sich die Märchenstunde: „Wenn der Papa gefischt hat, dann nahm er sich auch immer etwas zu Essen mit“. Welch wichtige Nachrichten aus dem Totenreich. Sollte das Ganze einmal nicht funktionieren, werden, wie bei allen Esoterikern, vorher behauptete Fakten: „Das ist Dein Bruder“ plötzlich in „Es kann natürlich auch Dein Schwager sein“, umgedeutet, was der Gesprächspartner ohne Widerwillen kommentarlos schluckt. Wer könnte sich schon gegen eine Frau wehren, die eben noch mit den verstorbenen Verwandten gesprochen hat und von sich sagt: „Wählen Sie Questico, dass ist die Nummer zum Himmel. Ich bin das Fräulein von oben“?

Zum „Kugeln“ und „Flitzen“ gehört auch immer das „Kribbeln“

Neigt sich die Minute des Jenseitskontaktes dem Ende zu, kommt der Höhepunkt des Geschehens, indem der Anruferin gesagt wird: „Und nun machen wir noch eine Berührung mit dem Verstorbenen, bevor ich ihn wieder ins Jenseits schicke. Das ist übrigens einmalig auf dieser Welt“. Und dann ist es wieder da, das bekannte Kribbeln, das ich übrigens auch habe, wenn ich ab und zu nachts, natürlich ohne Gitti Tacks Totenbeschwörungen, einen Wadenkrampf bekomme. „Lasst uns das noch einen Moment genießen“, tönt es „liebevoll“ aus dem Lautsprecher, und die Zuschauer schmelzen dahin. Sollte es dann aber bei ihnen immer noch nicht „Kribbeln“, wird eine Radikalkur angewandt. „Der Papa steht hinter dir und legt nun seine Hände auf Deine Schultern“. Spätestens jetzt fängt auch bei dem frigidesten Wesen das erlösende Kribbeln an und Glückseligkeit macht sich breit.

Gitti Tack betont in fast jeder Sendung, dass sie eine „Christin“ ist. Am Anfang hatte sie mit Jenseitskontakten „Probleme“. Doch je mehr sie sich mit anderen Religionen beschäftigt hatte, wurde ihr schließlich klar, dass dort mit dem Tod anders umgegangen wird. Und so hat sie dann die Weihe aus dem Universum bekommen, dass sie als „Christin“ nicht nur „Tote“ kontaktieren darf, sondern diesen dämonischen Mist auch noch verkündigen soll, einschließlich der Kribbeltour.


Über soviel „Glaubensarroganz“, von einem christlichen Glauben kann man hier wohl nicht einmal im Ansatz sprechen, kann ich nur den Kopf schütteln. „Wenn man lange in einen Abgrund schaut, blickt der Abgrund auch in dich hinein.“ Ich bin zwar kein Fan von Nietzsche, von dem dieser Satz stammt, aber er hat schon recht. Und wenn erst einmal dieser Abgrund des Spiritismus in einen Menschen schaut, muss er sich nicht wundern, dass er sich auch einmal dafür verantworten muss, sagte doch schon Goethe in seinem bekannten „Zauberlehrling“: „Herr, die Not ist groß! Die ich rief, die Geister, werd ich nun nicht los“.

„Du sollst nicht lernen, die Greuel dieser Völker zu tun, dass nicht jemand unter dir gefunden werde, der seinen Sohn oder seine Tochter durchs Feuer gehen lässt oder Wahrsagerei, Hellseherei, geheime Künste oder Zauberei treibt, der Bannungen oder Geisterbeschwörungen oder Zeichendeuterei vornimmt oder die Toten befragt. Denn der das tut, der ist dem HERRN ein Greuel, und um solcher Greuel willen vertreibt der HERR, dein Gott, die Völker vor dir. Du aber sollst untadelig sein vor dem HERRN, deinem Gott. Dir aber hat der HERR, dein Gott, so etwas verwehrt“.
Die Bibel: 5. Buch Mose 18, Vers 9 – 14

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