Verfasst von: Hao | 26. November 2011

Geschichten…..

….. sind so alt wie die Welt

Geschichten wurden und werden – neben dem unterhaltenden Effekt – vor allem auch dazu eingesetzt, um Weisheiten und Erfahrungen weiterzugeben. Manchmal können wir durch Geschichten viel über uns selbst erfahren und auf spielerische Art zu neuen Erkenntnissen kommen. Geschichten können uns erfreuen, und oft müssen wir hinterher noch eine ganze Weile über sie nachdenken. Oft kommt es vor, dass wir Geschichten auch jemandem weitererzählen. Auf diese Art und Weise wandern Weisheiten von einem Menschen zum anderen und geraten nie in Vergessenheit.


Der Tempel der tausend Spiegel

Es gab in Indien einen Tempel der tausend Spiegel. Er lag hoch oben auf einem Berg und sein Anblick war gewaltig. Eines Tages kam ein Hund und erklomm den Berg. Er stieg die Stufen des Tempels hinauf und betrat denTempel der tausend Spiegel. Als er in den Saal der tausend Spiegel kam, sah er tausend Hunde. Er bekam Angst, sträubte das Nackenfell, klemmte den Schwanz zwischen die Beine, knurrte furchtbar und fletschte die Zähne. Und tausend Hunde sträubten das Nackenfell, klemmten die Schwänze zwischen die Beine, knurrten furchtbar und fletschten die Zähne. Voller Panik rannte der Hund aus dem Tempel mit der Überzeugung, dass die ganze Welt aus knurrenden, gefährlichen und bedrohlichen Hunden besteht.

Einige Zeit später kam ein anderer Hund, der den Berg erklomm. Auch er stieg die Stufen hinauf und betrat den Tempel der tausend Spiegel. Als er in den Saal mit den tausend Spiegeln kam, sah auch er tausend andere Hunde. Er aber freute sich. Er wedelte mit dem Schwanz, sprang fröhlich hin und her und forderte die Hunde zum Spielen auf. Dieser Hund verließ den Tempel mit der Überzeugung, dass die ganze Welt aus netten, freundlichen Hunden besteht, die ihm wohlgesonnen sind.


Auf der Durchreise

Ein junger Mann reiste durch Polen und besuchte einen Rabbi, der für seine große Weisheit berühmt war. Dieser Rabbi lebte in einer bescheidenen Hütte, die nur aus einem einzigen Raum bestand. Außer vielen Büchern, einem Tisch und einer Bank besaß er keine weiteren Möbel. Der junge Mann fragte: „Sag Rabbi, wo sind deine Möbel?“ „Wo sind denn deine?“, fragte der Rabbi zurück. „Meine?“, entgegnete der junge Mann überrascht. „Aber, ich bin doch nur auf der Durchreise!“ „Ich auch!“, antwortete der Rabbi, „ich auch!“



                             Nachrede           

Ein Nachbar hatte über Künzelmann schlecht geredet und die Gerüchte waren bis zu Künzelmann gekommen. Er stellte den Nachbarn zur Rede. „Ich werde es bestimmt nicht wieder tun!“, versprach der Nachbar. „Ich nehme alles zurück, was ich über Sie erzählt habe.“ Künzelmann sah den anderen ernst an. „Ich habe keinen Grund, Ihnen nicht zu verzeihen.“ erwiderte er. „Jedoch verlangt jede böse Tat ihre Sühne.“ „Ich bin gerne zu allem bereit“, sagte der Nachbar zerknirscht. Künzelmann erhob sich, ging in sein Schlafzimmer und kam mit einem großen Kopfkissen zurück. „Tragen Sie dieses Kissen in Ihr Haus, das hundert Schritte von meinem entfernt steht.“ sagte er. „Dann schneiden Sie ein Loch in das Kissen und kommen wieder zurück, indem Sie unterwegs immer eine Feder nach rechts, eine Feder nach links werfen. Dies ist der Sühne erster Teil.“ Der Nachbar tat, wie ihm geheißen. Als er wieder vor Künzelmann stand und ihm die leere Kissenhülle überreichte, fragte er: „Und der zweite Teil meiner Buße?“ „Gehen Sie jetzt wieder den Weg zu Ihrem Haus zurück und sammeln Sie alle Federn wieder ein!“ Der Nachbar stammelte verwirrt: „Ich kann doch unmöglich all die Federn wieder einsammeln! Ich streute sie wahllos aus, warf eine hierhin und eine dorthin. Inzwischen hat der Wind sie in alle Himmelsrichtungen getragen. Wie könnte ich sie alle wieder einfangen?“ Künzelmann nickte ernst: „Das wollte ich hören! Genauso ist es mit der üblen Nachrede und den Verleumdungen. Einmal ausgestreut, laufen sie durch alle Winde, wir wissen nicht wohin. Wie kann man sie also einfach wieder zurücknehmen?“



Die drei Siebe

Eines Tages kam ein Bekannter zum griechischen Philosophen Sokrates gelaufen. „Höre, Sokrates, ich muss dir berichten, wie dein Freund….“ „Halt ein“, unterbrach ihn der Philosoph. „Hast du das, was du mir sagen willst, durch drei Siebe gesiebt?“ „Drei Siebe? Welche?“ fragte der andere verwundert. „Ja! Drei Siebe! Das erste ist das Sieb der Wahrheit. Hast du das, was du mir berichten willst, geprüft, ob es auch wahr ist?“ „Nein, ich hörte es erzählen, und…“Nun, so hast du sicher mit dem zweiten Sieb, dem Sieb der Güte, geprüft. Ist das, was du mir erzählen willst – wenn es schon nicht wahr ist – wenigstens gut?“ Der andere zögerte. „Nein, das ist es eigentlich nicht. Im Gegenteil.“ „Nun“, unterbrach ihn Sokrates, „so wollen wir noch das dritte Sieb nehmen und uns fragen, ob es notwendig ist, mir das zu erzählen, was dich so zu erregen scheint.“ „Notwendig gerade nicht.“ „Also“, lächelte der Weise, „wenn das, was du mir eben sagen wolltest, weder wahr noch gut noch notwendig ist, so lass es begraben sein und belaste weder dich noch mich damit.“


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