Verfasst von: Hao | 26. November 2011

In der Stille angekommen

Wenn es Winter wird


Der See hat eine Haut bekommen,
so dass man fast drauf gehen kann,
und kommt ein großer Fisch geschwommen,
so stößt er mit der Nase an.

Und nimmst du einen Kieselstein
und wirfst ihn drauf, so macht es klirr
und titscher – titscher – titscher – dirr . . .
Heißa, du lustiger Kieselstein!
Er zwitschert wie ein Vögelein
und tut als wie ein Schwälblein fliegen –
doch endlich bleibt mein Kieselstein
ganz weit, ganz weit auf dem See draußen liegen.

Da kommen die Fische haufenweise
und schaun durch das klare Fenster von Eise
und denken, der Stein wär etwas zum Essen;
doch sosehr sie die Nase ans Eis auch pressen,
das Eis ist zu dick, das Eis ist zu alt,
sie machen sich nur die Nasen kalt

Der See hat eine Haut bekommen,
sodass man fast drauf gehen kann,
und kommt ein großer Fisch geschwommen,
so stößt er mit der Nase an.

Aber bald, aber bald
werden wir selbst auf eignen Sohlen
hinausgehn können und den Stein wiederholen.

Im Zuge meines Rombesuches habe ich 1999 auch die Sixtinische Kapelle besucht. Ich war von dem kleinen und unscheinbaren Gebäude überrascht, als ich vor ihm stand. Klar, ich hatte viel gelesen über dieses Kunstwerk. Wer kennt nicht die Deckenfresken und den Finger Gottes, der den von Adam sucht? Doch alles war kleiner, viel kleiner, als ich es mir vorgestellt hatte.

In der Kapelle waren natürlich sehr viele Besucher. Und was macht man, wenn man zum ersten Mal vor einem unschätzbaren Kunstwerk steht, was einem so vertraut ist? Man staunt. Viele Zeitgenossen können nicht mehr innerlich staunen, tragen das Empfinden auch nach außen. Dann wird man natürlich auch laut, es sei denn, man befindet sich in einer Gruppe von Taubstummen.

Wen wundert es, wenn der Geräuschpegel dann ansteigt und einen bestimmten Level erreicht, der nicht gerade zu einem Gotteshaus im Heiligen Bezirk des kleinsten Staates der Welt, dem Vatikan, passt? Selbstverständlich waren überall unübersehbare, große Schilder aufgestellt, in denen in mehreren Sprachen deutlich „Bitte Ruhe“ stand. Doch was können sie ausrichten bei so viel multikultureller Begeisterung? Nichts.

Das merkten natürlich auch die katholischen Gralshüter. Sie hatten sich im Blick auf die Unwirksamkeit dieser Schilder einen wahren Schildbürgerstreich einfallen lassen. In den Ecken der Kapelle waren große Lautsprecher angebracht. In Abständen von zwei bis drei Minuten donnerte eine markante Stimme mit typisch klerikalem Ton in zahlreichen Sprachen mittels einer Tonbandschleife „Bitte Ruhe!“ auf die Köpfe der ahnungslosen Besucher hernieder, sodass sich diese erschraken. Dann ging der Lärmpegel runter, aber nur, weil die Menschen sich erschrocken hatten. Die erzwungene Stille dauerte aber nur rund eine Minute, dann wurde es wieder lauter. Und so ging das den ganzen Tag. Lärm: Bitte Ruhe! Es wird leiser und wieder laut und wieder: Bitte Ruhe!“


In der Stille angekommen,
werd ich ruhig zum Gebet.
Große Worte sind nicht nötig,
denn Gott weiß ja, wie`s mir geht.
Danken und loben, bitten und flehn.
Zeit mit Gott verbringen.
Die Welt mit offenen Augen sehn.
Reden, hören, fragen, verstehn.
Zeit mit Gott verbringen.
Die Welt mit seinen Augen sehn.


In der Stille angekommen,
leg ich meine Masken ab.
Und ich sage Gott ganz ehrlich,
was ich auf dem Herzen hab.
Danken und Loben, Bitten und Flehn,
Zeit mit Gott verbringen.
Die Welt mit offenen Augen sehen,
reden, hören, Fragen verstehn,
Zeit mit Gott verbringen.
Die Welt mit seinen Augen sehn.

Spuren im Sand

Eines Nachts hatte ein Mensch einen Traum. Er träumte, er ginge am Strand entlang mit Gott. Über den Himmel hin leuchteten die Szenen aus seinem Leben auf. Für jede Szene bemerkte er im Sand zwei Fußspuren. Die eine gehörte zu ihm selbst, die andere zu Gott. Als die letzte Szene vor ihm aufgeleuchet war, blickte er zurück auf die Fußspuren und bemerkte, dass lange Zeit den Weg entlang nur ein Paar Spuren im Sande zu sehen waren. Er stelle auch fest, dass dies während der schwersten und traurigsten Zeit in seinem Leben geschehen war. Das machte ihm ernstlich Kopfzerbrechen und er fragte Gott: „ Herr, du sagtest, als ich mich entschied, dir zu folgen, du würdest den ganzen Weg mitgehen. Aber ich bemerkte, dass während der schlimmsten Zeit meines Lebens nur ein Paar Spuren da waren. Ich verstehe nicht, dass – als ich dich am meisten brauchte – du mich verlassen hast.“ Gott antwortete: „Mein kostbares Kind, ich liebe dich und ich werde dich niemals verlassen. Während deiner Zeit voll Last und Leiden, als du nur ein Paar Spuren sahest, da habe ich dich getragen.“


Lebens-Kreise

Ins Wasser fällt ein Stein,
ganz heimlich still und leise.
Und ist er noch so klein,
er zieht doch weite Kreise.
Wo Gottes große Liebe
in einen Menschen fällt, da wirkt sie fort,
in Tat und Wort hinaus in unsre Welt.

Ein Funke, kaum zu sehn,
entfacht doch helle Flammen,
und die im Dunkeln stehn,
die ruft der Schein zusammen.
Wo Gottes große Liebe in einem Menschen brennt,
da wird die Welt vom Licht erhellt, da bleibt nichts, was uns trennt.

Nimm Gottes Liebe an,
du brauchst dich nicht allein zu mühn,
denn seine Liebe kann
in deinem Leben Kreise ziehn.
Und füllt sie erst dein Leben und setzt sie dich in Brand,
gehst du hinaus, teilst Liebe aus, denn Gott füllt dir die Hand.

            


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Responses

  1. ein wunderschöner Beitrag
    vielen Dank
    „Ins Wasser fällt ein Stein“ , das ist eines meiner Lieblingslieder


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