Verfasst von: Hao | 26. November 2011

Lebensperspektiven

Ruine der Hoffnung

In einer Pause des Missio-Camps sitze ich traumverloren für einige Minuten auf einer steilen Bergwiese und schaue auf die andere Seite der Rhön, um diese herrliche Landschaft auf mich wirken zu lassen. Weit am Horizont erkenne ich die Umrisse einer Ruine. Es ist die Osterburg.

Ich sehe in ihr das Zeichen der Vergangenheit, aber auch das Zeichen der Gegenwart und der Zukunft.

Beim Anblick der Ruine denke ich an mein vergangenes Leben, an die Niederlagen, die ich durchleben musste, an meine eigene Welt, die manchmal dem Einsturz nah war.

Während meine Gedanken um die Ruine am Horizont kreisen, fällt mir auf, dass selbst noch diese zerfallenen Steine Zuflucht bieten. Ein kleines und unberührtes Biotop, wie ich Stunden später feststelle, lässt die Ruine leben. Und langsam wird mir klar, dass selbst Ruinen Hoffnungsträger sind, Hoffnungsträger für einen neuen Anfang, Hoffnungsträger für neues Leben.

Wie heißt es so tröstend bei Jesaja 42, Vers 3: „Das zerstoßene Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen“. Jes 42, Vers 3


Hält das Fundament noch?

1972 wurde ein alter Wasserturm direkt neben der kleinen Firma, in der ich als Graveur arbeitete, gesprengt. Ich konnte, so oft ich wollte, mir die Arbeiten ansehen und das Geschehen verfolgen. Mein Chef hatte großes Verständnis für meine technische Neugier.

Über 80 Jahre hat der Wasserturm gute Dienste geleistet. Doch moderne Technik hat ihn überholt. Man braucht ihn inzwischen nicht mehr. Er muss weg, der Platz auf dem er steht, wird gebraucht. Möglichst schnell soll er weichen.

Der Sprengmeister kommt, bereitet die nicht ungefährliche Aktion vor. Dann die Sprengung. Das Dynamit ist falsch berechnet. Der Wasserturm neigt sich 30 Grad zu Seite, aber bleibt stehen. Am darauf folgenden Tag der nächste Versuch, der dann in einem Erfolg endet.



Nachdem der alte Koloss gesprengt, auseinander geschweißt und die Reste entsorgt waren, standen die beteiligten Personen vor einem großen Problem, was schon vorher immer wieder angesprochen wurde. Wie schaffen wir es, das Fundament zu beseitigen? „Das wird noch ein harter Brocken“, hörte ich immer wieder.

Doch als es dann soweit war, wunderten sich alle: Das Fundament war im Laufe der Zeit so brüchig geworden, dass man nicht einmal einen Presslufthammer benötigte. Dieses besorgte
ohne größere Kraftanstrengung eine normale Raupe. „Das hätten wir nicht gedacht, dass die Gründung schon so zerfallen war. Es hätte nicht lange gedauert, dann wäre der Turm zusammengefallen, weil das Fundament ganz verrottet war“. Dabei hatte man es ihm nie angesehen, dem Wahrzeichen von Remscheid-Lennep.
Damals habe ich noch nicht über mein Leben und die Sprengungen, die es erschütterten, nachgedacht. Was sollte mir denn passieren? Heute, 40 Jahre später würden mir viele Dinge einfallen, die in meinem Leben gesprengt wurden. Mal war mir die Notwendigkeit eines „Abrisses“ nicht klar, bei anderen Aktionen ging es mir viel zu langsam. Ich will auch nicht verschweigen, dass auch der Sprengmeister, wie er auch immer aussah, anrückte, auch wenn ich es, ihm Gegensatz zu ihm, überhaupt nicht wollte.

Es wird weiter in meinem Leben gesprengt, es wird weiter knallen bis zum Lebensende. Und wenn es dann „ausgeknallt“ hat, dann bin ich bei dem Herrn und lasse mir seinen Grundriss für mein Leben zeigen. Dann erkenne ich nicht nur die „Gründung“ meines Lebens, sondern auch die Hintergründe, warum Jesus immer wieder eingreifen musste. Mit dieser Hoffnung
kann ich jetzt schon getrost an die Ewigkeit denken.

Das Fundament der Christen hat Bestand, weil es von Jesus selbst gelegt worden ist und täglich immer wieder neu gepflegt wird. Und wenn dann am Ende unserer Tage unser Leben einstürzt, dann trägt das Fundament durch den Tod ins neue Leben, auch wenn sich der Teufel noch so anstrengen sollte. Wer bei Jesus war, bleibt auch bei ihm.



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