Verfasst von: Hao | 26. November 2011

Narben

Hommage an Menschen, die meinen Lebensweg kreuzten und die ich, aus welchen Gründen auch immer, irgendwann einmal verletzt habe….

Sachliche Romanze

Von mir vertontes  Gedicht  von Erich Kästner

Narben
zugeheilte Wunden
Erinnerung
an Schmerz

Ein Hieb
ein Stich
lassen
sie schmerzen

Zeit
lässt sie
vernarben
aber
nicht verschwinden

Wenn du manchmal stumm deinen Gedanken nachhängst
Und mich ansiehst, ohne mich dabei zu seh’n,
Wenn ich vergebens versuch‘, zu erraten, was du denkst,
Welche Fragen hinter deiner Stirne steh’n,
Ahn‘ ich doch, in Gedanken brichst du über mich den Stab,
Doch bedenk‘, wenn du meine Schuld einschätzt:
Von jeder Wunde, die ich dir zugefügt hab‘,
Bleibt auch mir eine Narbe zuletzt.

Ich hör‘ oft, was wir sprachen im

Nachhinein,
Wie ein Fremder, wie durch eine offene Tür.
Sollen das meine Worte gewesen sein,
Und ich find‘ heut‘ keine Rechtfertigung mehr dafür.
Doch jedes Wort, mit dem ich dir wehgetan hab‘,
Bereute ich, während ich es sprach, schon,
Denn von jeder Wunde, die ich dir zugefügt hab‘,
Trag auch ich eine Narbe davon.


Es ist wohl ein unsel’ges Gesetz, das uns lenkt,
Das da will, dass man grad‘, wen man am meisten liebt,
So unbedacht demütigt und grundlos kränkt,
Dafür um so wen’ger nachsieht und vergibt.
Doch für jedes Unrecht, das ich dir angetan hab‘,
Hab‘ ich selber gelitten, Stück für Stück,
Von jeder Wunde, die ich dir zugefügt hab‘,
Bleibt auch mir eine Narbe zurück.


Es ist vieles gescheh’n, eh‘ ich zu lernen begann,
Dass kein Ding für alle Zeit gewonnen ist,
Dass man nicht größ’re Opfer erwarten kann,
Als man von sich aus bereit zu bringen ist.
Wenn ich dir deine Liebe schlecht gedankt hab‘,
Wenn du kannst, verzeihe es mir jetzt,
Denn von jeder Wunde, die ich dir zugefügt hab‘,
Bleibt auch mir eine Narbe zuletzt.


Vergib uns, Herr, unsere Schuld.
Verzeih, wenn wir mit den Händen schlagen,
statt zu helfen und zu segnen;
wenn wir mit Worten verletzen,
statt zu trösten;
wenn wir den Verstand anstrengen,
um den anderen zu ärgern,
statt ihm Freude zu machen;
wenn wir den anderen auslachen und ihn
dadurch entmutigen, statt ihm Mut zu machen.
Herr, so werden wir schuldig,
vor Dir und den anderen.
Vergib uns unsere Schuld.

Echte Vergebung ist mehr als verzeihen und vergessen. Überwinden wir unseren Stolz, der uns oft ein großes Hindernis zur echten Vergebung ist, so wird uns „echt“ vergeben und wir können dies weitergeben: Kein Fehler, kein Vergehen ist zu groß, als dass es Gott nicht vergeben könnte.

Wie ein Fest nach langer Trauer, wie ein Feuer in der Nacht,
ein offnes Tor in einer Mauer, für die Sonne aufgemacht.
Wie ein Brief nach langem Schweigen, wie ein unverhoffter Gruß,
wie ein Blatt an toten Zweigen, ein “Ich-mag-dich-trotzdem-Kuß.”

Wie ein Regen in der Wüste, frischer Tau auf dürrem Land,
Heimatklänge für Vermisste, alte Feinde Hand in Hand.
Wie ein Schlüssel im Gefängnis, wie in Seenot “Land in Sicht”,
wie ein Weg aus der Bedrängnis, wie ein strahlendes Gesicht.

Wie ein Wort von toten Lippen, wie ein Blick, der Hoffnung weckt,
wie ein Licht auf steilen Klippen, wie ein Erdteil neu entdeckt.
Wie der Frühling, wie der Morgen, wie ein Lied, wie ein Gedicht,
wie das Leben, wie die Liebe, wie Gott selbst, das wahre Licht.

So ist Versöhnung, so muss der wahre Friede sein,
so ist Versöhnung, so ist vergeben und verzeih`n.

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Responses

  1. „Sachliche Romanze“
    das Gedicht von Erich Kästner und von Dir gesprochen mit der schönen Musik berührt mich sehr .
    vielen Dank für diesen Beitrag


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