Verfasst von: Hao | 26. November 2011

Steine II


Was für ein Stein bin ich?

Mir fällt ein Stein vom Herzen! Es ist zum Steinerweichen! Jemand legt mir Steine in den Weg, ich erreiche nach einer langen Wanderung einen Grenzstein. Manchmal werden mir auch Steine aus dem Weg geräumt. Ich höre das Wort „Stein“, und in meinem Kopf entstehen Bilder.

Da gibt es den Kieselstein, der jahrelang in fließendem Wasser gelegen hat. Das Wasser ist über ihn hinweg gegangen und hat im Laufe der Zeit seine Ecken und Kanten weggewaschen. Er hat sich in der Bewegung des Wassers an anderen Kieselsteinen gerieben und so eine runde, weiche Form erhalten. Wenn jemand kommt und ihn aus dem Wasser herausfischt, dann findet er einen angenehmen Handschmeichler. Das Leben hat Dich im Fluss gehalten, es gab schwere Erlebnisse und Brüche in Deinem Leben. Krankheiten können wie Stromschnellen sein, die über Dich hinweg geflossen sind. Dabei wurdest Du hin- und her geworfen, hast Dich vielleicht auch an manchen Mitmenschen gerieben und gestoßen. Das Zusammenleben mit den anderen war nicht immer leicht, manch einer oder eine wurde im reißenden Wasser weggespült. Es gab Trennungen. Und im Laufe der Zeit sind so manche Eigenarten abgerieben worden. Man ist nach außen rund und angenehm, aber manchmal fühlt man sich wie abgeschmirgelt und hätte vielleicht gern ein paar Risse und Ecken behalten.



Dann gibt es den Felsbrocken. Er liegt auf dem Feld oder in der Wüste und ist schwer zu heben. Klobig ist er und nicht griffig, hat Ecken und Kanten. Wer ihn nicht sieht, der kann schnell über ihn fallen, denn er lässt sich nicht leicht aus dem Weg räumen. Wo er einmal liegt, da bleibt er, und man kann über ihn stolpern und sich dabei an ihm schrammen oder verletzen. Solche Menschen sind wie ein Urgestein. Sie haben Charakter, sie sind sich ihrer Einzigartigkeit bewusst. Sie scheuen sich nicht, das Besondere herauszustellen, und manchmal sind sie auch stur oder unbelehrbar. Menschen wie kantige Felsbrocken werden bewundert oder vielleicht auch manchmal gefürchtet, aber sicher vergisst man sie nicht so schnell. Manchmal aber tragen sie tief in sich die Sehnsucht, etwas runder oder weniger rissig zu sein. Sie träumen davon, sich in eine Gemeinschaft eingliedern zu können, Freunde zu finden, Nähe und Begegnung zu erleben. Denn Individualisten
können auch einsam sein.

Wenn ich von diesen verschiedenen Arten von Steinen höre: auserwählter Stein, kostbarer Stein, verworfener Stein, Eckstein, Stein des Anstoßes, lebendiger Stein…, dann fällt mir ein Kopfsteinpflaster ein. Dabei wird man unsanft hin- und her gerüttelt.

Unterschiedlichste Formen von Steinen werden da verarbeitet, große und kleine, eckige und runde, dicke und dünne. Auch die Farben brauchen nicht überein zu stimmen: helle und dunkle Steine, einfarbige und gesprenkelte liegen dicht an dicht nebeneinander. Jeder Stein ist ganz eigen, und trotzdem bilden sie alle zusammen eine Fläche, über die gelaufen und gefahren werden kann. Zusammen sind sie tragfähig.

Angenehmer fährt es sich natürlich auf einer ordentlich ausgebauten Asphaltstrecke. Aber: dabei sind die unterschiedlichen Steine nicht mehr sichtbar. Sie werden platt gewalzt, sie verschwinden unter einer heißen Decke. Alles ist schwarz, und jede Einzigartigkeit geht verloren. Nein, da ist mir das Bild des Kopfsteinpflasters lieber. Denn da kann ich mit meinen Eigenarten bestehen bleiben, ich darf ein lebendiger Stein sein.


Mir fällt noch der Stein ein, in den sich Versteinerungen abgedrückt haben. Es gibt sie selten, sie sind etwas wirklich Besonderes, und finden lassen sie sich nur von sehr aufmerksamen Sammlern. Sie haben Jahrzehnte oder Jahrhunderte unter großem Druck auf einem Blatt oder einer Muschel oder einem kleinen Tier gelegen – und dann wird dies andere auf ihnen sichtbar. Sie tragen einen Schatz in sich. Aber der Schatz entsteht nur unter Druck. Es gibt Menschen, die auch unter solchem Druck leben müssen. Sie haben Trauriges erlebt, Dinge, die in sie eingedrückt sind und von denen sie sich nicht mehr losmachen oder befreien können. Aber manchmal bleibt eine Versteinerung übrig, und an den Kern des Menschen ist schwer heranzukommen.


Das Harte und Kantige, das Versteinerte will Gott so in uns einfügen, dass wir nicht tot, sondern lebendig sind. Schmerz und Trauer dürfen ein Teil von uns sein, mit denen wir zu leben lernen. Lebendige Steine dürfen wir werden.


Jesus Christus ist der Stein, auf dem man stehen kann! Christus trägt und hält, auch wenn manches um oder in einem im Wanken ist. Er ist der feste Grund. Er ist der Eckstein, auf dem man das Lebensgebäude aufbauen kann. Für die, die es nicht glauben, mag er ein Stein des Anstoßes oder sogar der Fels des Ärgernisses sein – aber für die Christen ein kostbarer und auserwählter Stein.


Advertisements

Responses

  1. Super!!! diese Steine und „Brücken“


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s

Kategorien

%d Bloggern gefällt das: