Verfasst von: Hao | 26. November 2011

Tricks der Esoteriker

Die Sterne lügen nie, sie werden immer schweigen!

Eine gute Geldquelle: Die Frage nach dem „Karma“

Besonders beliebt sind die Fragen nach dem Karma, wo dem Anrufenden verdeutlicht wird, wie, wo und als was er im letzten Leben gelebt und was er erlebt hat. Dieses Karma, das man als Schuld aus einem vorhergehenden Leben mitgebracht hat, muss nun durch ein bestimmtes Verhalten im derzeitigen Leben verringert werden. Leichtgläubige Menschen werden in Stufen eingeteilt und neu gebunden, anstatt sie zu befreien. So wird die Illusion vermittelt, dass Sünde, wenn sie überhaupt existieren sollte, nicht schlimm sei, denn sie kann ja im nächsten Leben wieder abgetragen werden. Menschen sollen glauben, dass es kein göttliches Gericht gibt, sondern dass nach dem Tod einfach die nächste Inkarnation beginnt. Auch jegliches Erlösungswerk Christi wäre somit bedeutungslos. Jesus ist also sinnlos gestorben. Somit ist die fernöstliche Lehre von Karma und Inkarnation absolut unbiblisch, würde es doch bedeuten, dass der Tod und das Böse nie ausgelöscht oder besiegt werden können. Wer Böses in diesem Leben tut, lastet sich Karma an. Dieses muss im nächsten Leben abgetragen werden, indem uns dasselbe Böse von jemand anderem angetan wird. Dieser jedoch muss für dieses Böse in seinem nächsten Leben wiederum durch Jemanden leiden. Diese Spirale hört also nie auf. So wird das Böse geradezu gefördert, geschweige denn, dass es eine Erlösung von diesem ewigen Kreislauf gäbe. Gnade und Barmherzigkeit gibt es in diesem System nicht.

Kinder unter 18 Jahren und der Tod sind tabu….

In der „TV-Esoterik“ wird nicht über Gesundheit und Tod gesprochen. Hier und da wird mal bei der Gesundheit eine „kleine Ausnahme“ gemacht: „Du musst viel mehr trinken. Du musst unbedingt zum Arzt gehen“, heißt es dann, aber grundsätzlich hält man sich verbindlich an diese Auflage, um die Sendelizenz nicht zu verlieren. Die esoterische Ausrede: „Das überlassen wir dem lieben Gott, der hat da mehr Ahnung von.“ Dass natürlich erst Personen ab 18 Jahren esoterisch beraten werden, versteht sich von selbst, man will ja nicht unbedingt mit dem Gesetz in Konflikt geraten. Auch hier kommt wieder eine blumige esoterische Antwort: „Es gibt einen himmlischen Datenschutz, der eingehalten werden muss.“ Zum Glück hält Jesus sich nicht an diese Vorschrift, wenn er sagt: „Lasset die Kindlein zu mir kommen…….“

Auf der anderen Seite werden aber in der Sendung „Astroshop“ Kartendecks verkauft, die auch „für Schulkinder gut geeignet sind“, weil damit auch „Unterrichtsstunden gestaltet werden können“. Hier sieht man deutlich die Doppelbödigkeit von Astro-TV und der ganzen Esoterik. Oberstes Prinzip: Der Rubel muss rollen, egal was behautet und womit das logische Denken getrübt wird.

Unter dem Deckmantel der „Mitmenschlichkeit und Freundlichkeit“ wird den Zuhörern das Geld aus der Tasche gezogen, ohne auch nur eine brauchbare Gegenleistung zu bieten. Kaum ein Anrufer stellt das Gehörte in Frage. Bei späteren Nachfragen werden bei falschen Prognosen Aussagen aus der ersten Beratung systematisch umgedeutet und in einen anderen Zusammenhang gestellt. Dann werden aus zwei Wochen plötzlich zwei Jahre, aus einer Reise eine kleine Kaffeefahrt und aus der vermeintlichen Geliebten des Mannes nur eine solide Arbeitskollegin. Auch solche „Pannen“ saugen die Anrufer wie ein trockener Schwamm auf, was dann immer wieder durch Reaktionen deutlich wird, wie „Ich danke Dir, nun kann ich beruhigt weiterleben“.

Wenn die Kasse klingelt

Astrologen, Esoteriker, Wahrsager, Kartenleger – unzählige Vertreter der Branche mit dem nicht immer ganz wasserdichten Image sitzen hier im Studio und versuchen in bester Teleshopping-Manier ein Maximum an Anrufern in das Callcenter der Astro TV-Zentrale zu lotsen. 50 Cent kostet so ein Anruf, ganz offensiv wird für das gebührenfreie erste Beratungsgespräch geworben. In der Hoffnung, der neu gewonnene Kunde ruft mal wieder an und zahlt. Zugpferd und Aushängeschild ist   Astro TV. Der Sender erreicht mittlerweile sechzehn Millionen Haushalte. Hier sind gut 2500 „Experten“ aus ganz Deutschland abrufbar, Beratungen per Telefon oder Chat kosten über das Portal allerdings bis zu zwei Euro pro Minute.

Und das geht so: Die Spiritisten können bestimmen, wie viel sie pro Minute verdienen möchten, 40 Prozent der Einnahmen gehen an Questico. Dazu kommen noch Telefongebühren von mindestens 35 Cent. Um sich bei Astro TV „Experte“ nennen zu dürfen, müssen mindestens sechs Monate gewerbliche Tätigkeit als „Lebensberater“ nachgewiesen werden. Laut Jochen Reinecke muss eine schriftliche Bewerbung inklusive Ausbildungsstätten eingereicht werden.

Doch genau hier wird die Problematik deutlich. Astrologe ist kein geschützter Begriff, jeder darf sich so nennen. Eine einheitliche Ausbildung gibt es nicht. Undifferenzierte, oft auch allgemein gehaltene Aussagen, sind das wohl größte Manko des Senders. Besonders peinlich: Oft sind die Annahmen der Astrologen schlichtweg falsch.

So geschieht es immer wieder, dass die Moderatoren in unfreiwillig komische Live-Konversationen hineingezogen werden. Ein paar Beispiele: Eine junge Frau möchte wissen, wie es denn bei ihr beruflich weitergeht. Die Dame im TV sieht, dass sie ziemlich viel unterwegs sei im Rahmen ihrer Selbstständigkeit. „Eigentlich nicht“, widerspricht die Anruferin. Eine andere Wissensdurstige möchte erfahren, ob sie den Mann ihrer Träume bekommt. „Ich sehe hier einen blonden Mann liegen“, sagt die „Expertin“. Eigentlich sei er schwarzhaarig, erklingt es aus dem Off. „Ach ja, der Schwarzhaarige liegt hier unten“, entgegnet sie.

Doch nicht nur die Qualität der Aussagen und Vorhersagen steht im Zentrum der Kritik, die Astro TV-Präsentatoren glänzen vielfach durch unprofessionelles, dilettantisches Auftreten. Das bisweilen ziemlich skurril anmutende Geschehen vor der Kamera verdankt der Sender nämlich vor allen Dingen seinen Präsentatoren. Sie sind es, die den genervten Zapper oft unweigerlich und kopfschüttelnd bei Astro TV verweilen lassen, der vor Fassungslosigkeit gelähmte Finger auf der Fernbedienung verhindert ein Entrinnen.

Doris ruft an. Sie hat Brustkrebs und erhält derzeit eine Chemotherapie, möchte wissen, ob sie auch operiert werden muss. Der Berater zückt die Karten, sieht in der Tat einen Eingriff kommen, der aber gut verlaufen werde. Kein Wort mehr dazu, kein Hinweis darauf, dass der weitere Arztkontakt wichtig ist. Hier stellt sich die Frage nach Verantwortungsgefühl und psychologischer Schulung der Mitarbeiter. Jochen Reinecke von Astro TV sagt, dass alle Mitarbeiter in den „Umgang mit kritischen Personen eingewiesen“ und im Notfall an Telefonseelsorge oder andere Beratungsstellen verweisen würden.

Wie Questico mit Lügen Sendelöcher stopft

Wie „seriös“ Astro-TV in Wirklichkeit ist, wurde am 15. Mai 2006 klar, als die Telefonanlage ausfiel. Die findigen Macher wussten sich zu helfen und verkauften in der Livesendung ein Gespräch als echt, obwohl der Anruf aus dem Regieraum kam. Pech für die Verantwortlichen, dass sie im Eifer des Gefechtes vergaßen, die Stimmfrequenz des Anrufers anzupassen. Ein interessantes Telefonat mit dem Verantwortlichen, der betonte, dass er „christlich erzogen“ sei, dem sich ein Mailwechsel anschloss, brachte nichts, da bekanntlich Geld nicht stinkt und ich mehrfach belogen wurde.

Aber auch die Engel machen sich in der Esoterik immer breiter. So kann man auf Anfrage den Namen seines persönlichen Schutzengels bekommen und erfährt, dass er auf einem hellblauen oder grünen Strahl arbeitet, was das auch immer bedeuten mag. So heißt es in einer Erklärung zu einem „Engelspiel“, was natürlich auch im Net vertrieben wird: „Himmlische Inspiration: Engel sind Wesen des Lichtes und Teil des göttlichen Bewusstseins. Es gibt viele, die uns ihre Hilfe anbieten, wenn wir bewusst mit ihnen in Verbindung treten und erfahren, wie heilend und belebend sie sind. So gibt es den Engel der Erkenntnis, der Freude und der Liebe ebenso, wie den des Annehmens, der Dankbarkeit oder des Loslassens. Komisch nur, dass ich keinen der so hochverehrten Engel in der Bibel finde. Erwachsene und Kinder können dieses zauberhafte Kartenspiel auf vielerlei Weise benutzen: Zur Meditation, als Orakel, als begleitenden Impuls für den Tag oder als Spiel für mehrere Personen in Gruppen und in der Familie. Gemeint sind so genannte Engelkarten mit nichtssagenden Sprüchen und bunten Bildern. Erinnerungen an meine Kindheit werden wach, wo ich Poesiebilder getauscht hatte. Doch aus diesem Alter bin ich schon lange heraus. Ich weiß inzwischen jedenfalls, dass mein persönlicher Schutzengel aus dem Chor der Seraphim, die dem Erzengel Metatron untersteht, „Achaliah“ heißt und auf einem „blauweißen Energiestrahl“ arbeitet. Doch was fange ich damit an? Weniger als nichts. Ich schüttele mich, wenn ich daran denke, zu diesem anonymen Geistwesen, das nicht einmal in der Bibel erwähnt wird, Kontakt aufzunehmen.

Zitat aus der Werbung für selbstgemachte Karten, die über TV verkauft werden: „In diesen Tarotkarten sind nicht nur alle 7 Erzengel vereint, sondern sie erleben auch den Teufel in nie gekannter Präzision“.

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Responses

  1. eine Anmerkung zu dem „kostenlosen“ ersten Anruf: Man muss natürlich seine sämtlichen Daten sowie seine Bankverbindung angeben. Wahrscheinlich, „um Betrügereien und mehrfache Erstberatungen zu vermeiden“.

    • Natürlich, aber die Frage ist doch, wer hier die Betrüger sind??????????? Hier werden Honigtöpfe ausgestellt….

  2. „Gemeint sind so genannte Engelkarten mit nichtssagenden Sprüchen und bunten Bildern…“ Naja… ich hab in solchen Kreisen schon 2x eine Engelkarte gezogen, auf der stand ein Gefasel von ich solle mich trauen, mich in den Abgrund fallen zu lassen. Nichtssagend?
    Oder manipulative Aufforderung zum Selbstmord??? Oder ich hab den Fachjargon einfach nicht verstanden…

    • Fachjaron? Was ist das denn? Das ist doch alles nur organisierte Bedeutungslosiget, um das mal absolut harmlos auszudrücken. Nur die Umsetzung wird tötlich, immer tötlich, auch wenn Du nicht springen solltest.

  3. Eine Bekannte von mir war mal bei einer solchen Hellseherin und Kartenlegerin in Hamburg.Die saß ihr am Tisch gegenüber und hat während des Gespräches laufend in irgendwelche Unterlagen geschaut. Irgendwie wußte diese Seherin dann auch gewisse subtile Details aus dem Leben der Klientin.Da die Bekannte ja wochenlang vordem bereits diese Seherin und Kartenlegerin per Mail kontaktierte, stellt sich für mich hier die Frage, ob diese Scharlatane hier eine neue Geschäftsidee entwickelt haben könnten,, indem sie Trojaner auf die PCs der Kunden laden und somit über einen Einblick in private Daten verfügen.Wer dann solche „göttlichen Eingebungen“ als Seher verkauft, hat natürlich einen Hauptgewinn gezogen. Wiegesagt ,es ist eine Vermutung, aber bei diesen Scharlatanen wohl nicht abwegig.Mich würde mal interessieren, ob so etwas technisch machbar ist.

    • Möglich ist alles, aber das wäre eindeutig eine Straftat. Und das traue ich den Typen nun doch nicht zu, zumal man dazu auch eine gewisse Kenntnis haben muss.


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