Verfasst von: Hao | 31. Januar 2012

Karneval: No go!

Die tollen Tage scheiden die Geister des Landes. Und zwar kräftig. Für die einen sind sie der Höhepunkt der „fünften Jahreszeit“, wie die drei tollen Tage in den Karnevalshochburgen wie Köln, Düsseldorf und Mainz bezeichnet werden. Die anderen nehmen Reißaus und flüchten.


Dem ganzen Rummel kann ich auch bei Aufbietung aller meiner Kräfte nichts Gutes abgewinnen. Dennoch versuche ich im Blick in die Geschichte dieses Spektakels auch die religiöse Seite von Karneval zu sehen. Diese schlägt heute aber kaum mehr zu Buche.

Das Wort Karneval, das sich im Spätmittelalter über verschiedene Zwischenformen herausgebildet hat, hat seine Wurzeln in der lateinischen Sprache. Es setzt sich zusammen aus den Wörtern „caro“ (Fleisch) und „elevare“ (aufheben). Der Name Karneval bedeutet also nichts anderes als die „Aufhebung“ oder die „Wegnahme des Fleisches“. Er verweist damit auf die bevorstehende Fastenzeit, in der zumindest in früherer Zeit der Verzicht auf Fleischnahrung neben sexueller Enthaltsamkeit im Vordergrund stand.


Karneval ist eigentlich nicht vom Glauben zu trennen. Dann fragt sich nur: Warum sollte ein Mensch, dem Gott normalerweise schnuppe ist, sich denn an den tollen Tagen plötzlich eines Besseren besinnen? Vielleicht haben die Karnevalsfeiern, die im Rahmen von katholischen Kirchengemeinden gefeiert werden, noch etwas von dem religiösen Hintergrund erhalten. Aber was schlechthin bei diversen Karnevalssitzungen geboten wird, hat nach meinen Beobachtungen mit dem christlichen Glauben nichts mehr zu tun.


Deprimierend ist für mich vor allem
die „Millowitschtheologie“, die über allem Geschehen schwebt. „Wir kommen alle, alle in den Himmel“. Ausgehend von der Tatsache, dass die Menschen hier schon auf dieser Erde bereits die reinsten Engelein sind, brauchen wir uns für die Zukunft keinerlei Sorgen zu machen. Es ist doch alles in Ordnung, schließlich sind wir nicht so schlimm, wie uns die Kirche oder die Bibel vorzumachen scheinen.

Doch diese Voraussetzungen sind absolut falsch. Für die reinsten Engelein hätte Jesus nicht auf diese Welt kommen brauchen. Da hätte er es bei seinem Vater, im wahrsten Sinn des Wortes, wesentlich himmlischer haben können. Und das Problem bleibt – und jeder bekommt es nach den närrischen Tagen wieder zu spüren: Wir Menschen sind eben keine Engel, sondern erlösungsbedürftige Geschöpfe.


Das erlebe ich jeden Tag in der Begegnung mit anderen Menschen und vor allen Dingen auch an mir selbst. Ich traue mich jedenfalls nicht, schunkelnd oder auch nicht, in jenes kölsche Glaubensbekenntnis einzustimmen, weil es meiner Alltagserfahrung und einigen biblischen Aussagen widerspricht.


Christen können sich übrigens 365 Tage im Jahr freuen, weil sie allen Grund zur Freude haben. Auch wenn es im Sprachgebrauch leider keine Christenfreude, sondern nur einen „Heidenspaß“ gibt. Warum eigentlich? Als wenn wir Christen nicht auch Spaß haben dürften! Ich will nicht glauben, dass dieser nur für Heiden bestimmt ist.


Deshalb brauche ich auch vor dem großen Verzicht keine große Sause machen. Ich persönlich feiere jeden Tag ab Aschermittwoch mit dem Schreiben einer Passionsmail, die ich an Personen verschicke, die mit mir in aller Stille und Andacht die Passion Jesu miterleben wollen. Dabei habe ich erfahren: Selbst die Passionszeit bietet einiges an Christenspaß.

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Responses

  1. Ein schöner Beitrag
    vielen Dank !

  2. Hao, wir sind doch Heidenchristen, da dürfen wir auch Heidenspaß haben. 😉

    Neben allem, was du hier sagst – und ich finde es richtig: Um Karneval zu mögen, muss man es mit der Muttermilch aufgesogen haben. Und da haben wir BPs (Bergischen Protestanten) mit BPP (Bergisch-Pietistischer Prägung) keinen Tropfen abbekommen.
    Um dich zu zitieren: Basta!

    • In der Tag, mit uns „Bergischen Dickköppe“ ist in Sachen Karneval nichts zu holen. Und es ist gut so… Doppelbasta!

      • „Bergische Dickköppe“
        soso das seit Ihr beide also 🙂
        ich mag auch keinen Karneval , obwohl ich in der Mainzer Gegend zuhause bin……


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