Verfasst von: Hao | 14. März 2012

Das Leben ist schön

Ich habe ihn lange nicht mehr gehört. Wenn früh am Morgen im Radio seine Andachten vorgelesen wurden, war ich stets hellwach, denn Jürgen Knop hatte immer was zu sagen. Die Texte des Schwerbehinderten saßen, atmeten in seltener Art und Weise praktisches Evangelium zum Anfassen. Ich habe sie nie vergessen, sie haben mich über Jahre geprägt und bis heute noch nichts an Ausstrahlung verloren.

Dann wurde es plötzlich still um den Rollstuhlfahrer. Ich wollte ihn immer mal in Hannover besuchen, hatte auch schon das Heim gefunden, in dem er lebte. Doch dann kam mein Krebs dazwischen und warf mich fast aus dem Leben, aber lange Zeit aus dem Rennen.

Heute stoße ich auf diesen Link, der mich sehr traurig macht. Ich erfahre, dass Jürgen Knop schon 2008 heimgegangen ist. Ich habe umsonst gewartet.

Ich schaue in meinem Archiv nach und finde noch eine Andacht. Hier der Text:


Es kommt nicht oft vor, dass sich uns Bewohnern hier im Wohnpflegeheim Gelegenheit bietet, in die Stadt zu kommen. Ich freute mich deshalb, als ich unter meinen Weihnachtsgeschenken auch einen Gutschein für eine Fahrt in die Stadt fand.


So genoss ich einige Zeit nach dem Fest diesen Ausflug. Ich durfte mir aussuchen, wohin ich wollte. Sicher bereute der Freund sein großzügiges Geschenk, denn mir fiel immer wieder etwas Neues ein, wo ich noch unbedingt hin wollte.

Doch dann war mir kalt, und ich freute mich auf eine Tasse heißen Kaffee. Wir hatten auch bald eine gemütliche Gaststätte gefunden. Sie hatte keine Stufen. Wir kamen mit dem Rollstuhl gut hinein.

Lauter Lärm empfing uns. Wir nahmen an einem der kleinen Tische Platz. Das Lärmen verstummte. Viele Augen schauten zu uns. Etwas später sahen wir, wie der Wirt heftig gestikulierend mit den Gästen am Fenster sprach. Sie schmissen ihre Skatkarten auf den Tisch und machten Anstalten, das Lokal zu verlassen.


Nun kam der Wirt zu uns. Mein Begleiter bestellte zwei Kännchen Kaffee, aber der Wirt winkte ab. „Darf ich Sie bitten, mein Lokal zu verlassen? Die übrigen Gäste fühlen sich durch Ihr Aussehen gestört.“


Mein Begleiter wollte etwas erwidern, doch der Wirt drängte uns zu Tür. „Bitte verstehen Sie, das sind meine Stammgäste, sie haben gedroht, wenn Sie bleiben, gehen sie für immer. Und ich brauche die Stammgäste!“ Er drückte mir noch einen Geldschein in die Hand, und wir standen wieder auf der Straße. Der Lärm drang wieder aus der Gaststätte, so als ob nichts geschehen wäre.


Der Freund wollte die nächste Gaststätte ansteuern. Ich protestierte und ließ mich in die nahegelegene Kirche fahren. „All Eure Sorgen werft auf ihn, denn er sorgt für Euch.“ Dieser Satz fiel mir ein, als ich nun zum Gekreuzigten schaute. Ich wusste, er, der selber verachtet und verspottet wurde, verstand mich in meinem Schmerz, in meinem Verlassensein.


Ich hatte schon öfter solche unschönen Erlebnisse. Sein Anblick hilft mir dann immer. Er gibt mir immer wieder Mut zum Leben. Gott sei Dank, dass es Christus gibt.

Gott sei Dank, dass es solche Menschen wie Jürgen Knop gab und gibt.

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Responses

  1. DANKE für diesen Beitrag
    das Leben ist schön, JA
    ich bin dankbar, dass ich Deine Beiträge lesen darf
    sie geben mir Kraft und Trost
    Lieben Gruß
    Erika

  2. „Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst“…Mein Gott ist in erster Linie ein Gott für die Armen,Schwachen,Kranken und Ausgebeuteten in dieser Gesellschaft. Menschen, die keine Lobby in der Politik und in der Wirtschaft haben. Menschen, die sich in dieser Ellenbogengesellschaft nicht behaupten können, da sie zu ehrlich sind. Die Mächtigen haben Gott oft nur vor ihrem Karren gespannt und die Soldaten in den Kriegen mit dem sogenannten „Gottes Segen“ in den Tod geschickt.Diese Heuchler und Demagogen haben Gott wegen Macht und Reichtum mißbraucht. Gott will Gerechtigkeit in dieser Welt. Menschen müssen wie Menschen behandelt werden dürfen. Dieser Artikel zeigt viel Menschlichkeit ,aber leider auch das Gegenteil.Ich glaube dass es zuallererst die Menschenwürde ist, die uns gebietet,seiner zu gedenken.Heinrich Heine: Unter jedem Grabstein liegt eine Welt begraben.


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