Verfasst von: Hao | 2. November 2011

Erinnerungen an Vater (III)


Gestorben wird in dieser Welt millionenfach, aber nur wenige gehen heim, heim zum Herrn und Schöpfer der Welt, heim zu Jesus, der den Tod überwunden und gesagt hat: “ Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer da lebt und glaubt an mich, der wird leben, ob er gleich stürbe und wer da glaubt ‚an mich, der wird nimmermehr sterben“.

Diesen Satz hat Jesus nicht nur zu den Menschen in der vergangenen Welt gesagt, nein, er spricht ihn auch heute mit Vollmacht hinein in diese Trauergemeinde. Das sagt Jesus auch zu den Hinterbliebenen, das sagt Jesus auch zu ihnen.

Der Vater ist heimgegangen. Aus unserer Wirklichkeit ist er weggenommen worden, für unsere Augen unwiderruflich, aber nicht aus der Wirklichkeit Gottes, seines himmlischen Vaters.


Seit jenem wunderbaren Ostern vor fast 2000 Jahren, seit der schönsten und wichtigsten Feststellung der Welt, nämlich dem Osterruf, der durch die Jahrtausende schallt: „Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden“, bleibt kein Mensch mehr im Grabe, dass gilt für den Otto, für die Hinterbliebenen, für die gesamte Trauergemeinde und für alle Menschen in dieser Welt. Der Tod ist nicht mehr ein Punkt, sondern ein Doppelpunkt: Es geht weiter! Dieses Osterfest wurde für den Vater eine Begegnung mit dem auferstandenen Herrn, dem er in aller Schwachheit und mit viel Versagen nachgefolgt ist. Otto ist viel weiter als wir alle zusammen. Sie haben vielleicht Jesus als den Auferstandenen am Sonntag gefeiert, der Vater darf jetzt bei ihm sein. Hier wird deutlich, was es heißt, wenn der Psalmist sagt: „Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf das wir klug werden.“ Wir waren dem Vater sicher an vielen Punkten überlegen, nun ist er aber klüger als wir alle zusammen.

Wenn er schon nicht so recht in seinem Leben predigen konnte, dann will er uns allen heute mit seinem Tod sagen: „Ich habe Euch in eurem Haushalt vielleicht viele Dinge heil gemacht, aber ich hab es nicht zu meiner Ehre gemacht, ich wollte auf diese Art und Weise die Liebe Gottes weitergeben. Ich konnte nie predigen, keine großen Reden halten, aber ich habe Jesus lieb gehabt, auch wenn ihr es so wenig gemerkt habt. Und weil mich dieser Jesus von Anfang an gesehen, erkannt und geliebt hat, weil er alle meine Fehler, Ecken, Macken, meine ganze Schuld und Sünde mit seinem Blut weggewaschen hat, darf ich jetzt bei ihm sein. Schaut auf Jesus“. Dieses Wort, damals an Maria gesprochen, gilt auch mir, gilt auch euch, wenn Ihr euch nur daran festhaltet

Jesus spricht zu ihr: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, ob er gleich stürbe; und wer da lebt und glaubt an mich, der wird nimmermehr sterben“. Nein, es ist kein Zufall, kein blindes Schicksal, was hier zugeschlagen hat. Es ist die Liebe und Fürsorge Gottes, die dem Otto den schönsten und besten Altenruhesitz, den ein Mensch sich vorstellen kann, zugewiesen hat, nämlich in der Gegenwart des auferstandenen Herren zu leben.

Noch etwas ist mir wichtig beim Heimgang des Vaters. So plötzlich und unerwartet werden wir mit der Ewigkeit konfrontiert. Mitten, aber wirklich mitten im Leben vom Tod wir umfangen sind.

Nein, da gibt es kein: „Jetzt noch nicht, einen Augenblick noch“, kein: „Ich bin noch nicht soweit“ oder: „Ich muss erst noch etwas anderes machen“. Wenn Gott spricht, dann tut er das deutlich, unmissverständlich, dann muss der Mensch gehorchen. Das war bei meinem Schwiegervater, bei Tante Erna und Onkel Ernst so wie bei dem Vater und wird so einmal bei uns allen sein. Gott redet deutlich, ganz deutlich. Ich habe bei der Nachfeier von Onkel Ernst die Frage gestellt: „Was hat uns dieser schnelle Tod zu sagen?“ Und ich stelle die gleiche Frage heute wieder: „Was will Gott uns durch diesen schnellen Tod, dieses schnelle Heimholen sagen?“ Ich glaube, dass ich etwas schlauer geworden bin. Er will uns dankbarer, viel dankbarer machen. Wir sollen das Leben viel mehr genießen. Dass wir uns recht verstehen: Ich meine nicht den Genuss, der uns bei der Werbung und in der Welt vorgegaukelt wird. Ich meine das tägliche Genießen der Liebe und Gnade Gottes. Hier im Leben haben wir die Möglichkeit, jeden einzelnen Tag, den wir erleben, mit einer kindlichen Freude aus Gottes Hand zu nehmen, um ihm auch Gelegenheit zu geben, dass wir mit ihm und er mit uns reden kann. Bei einer solchen Grundmelodie, die sich auch in dem Liedvers ausdrückt „All Morgen ist ganz frisch und neu…“ bekommt das Leben einen solchen gewichtigen Inhalt, der dem Tode standhält. Nur was der Tod nicht besiegen kann, macht das Leben unsagbar wertvoll, gibt den wahren Sinn.

Der Vater hatte fest an diese Liebe und Güte Gottes geglaubt. Seine  Gemeindebesuche waren nicht Tradition. Sein Glaube, seine Liebe zu Jesus konnte er nicht in plakativen Sätzen zur Geltung bringen. Er war einer von den Stillen im Lande, die sicherlich oft sehr eng, aber dafür sehr treu gedacht und geglaubt haben. Jeden Abend sah er als letztes und jeden Morgen als erstes ein großes Plakat, auf welchem geschrieben stand: „Keinen Frieden ohne Jesus Christus!“ Ich hatte das Plakat vor 20 Jahren von einer Evangelisation mit Hermann Wüster in Lüttringhausen mitgenommen und an die Wand gehängt, zwischen andere Bilder und Gegenstände, die mir damals wichtig waren. Ich bin ausgezogen, es wurde tapeziert. Das Plakat hängt heute noch da. „Keinen Frieden ohne Jesus Christus“. In diesem Frieden hat Jesus den Vater heimgeholt.



Weil das so ist, weil der Vater nun heimgegangen ist, sich nicht den Himmel verdient, sondern geschenkt bekommen hat, brauchen wir nicht traurig zu sein. Auch dann nicht, wenn die Leere uns nach den Tagen erst so richtig zu Bewusstsein kommt. Wir dürfen uns freuen, weil er wie jeder Mensch, von Gott gewollt, erkannt, gesehen, bewahrt und unendlich geliebt worden ist, und weil Gott ihn, wie uns alle, von Herzen liebt.

Der Vater hat in seinem Leben unzählige Dinge wieder heil gemacht. Ich glaube, dass er das letztlich nur deshalb konnte, weil er selbst als kaputter Mensch, als Sünder jeden Tag neu und einen Sonntag nach dem anderen von dem großen Heiland Jesus Christus immer wieder heil gemacht worden ist.

„Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben,ob er gleich stürbe; und wer da lebt und glaubt an mich, der wird nimmermehr sterben“.


Jesus beendet diese Feststellung mit der Frage an Maria: „Glaubst Du das?“ Ich wünsche Euch allen, dass Ihr die Antwort von ganzem Herzen nachsprechen könnt: „Herr, ja ich glaube, dass du bist der Christus, der Sohn Gottes, der in die Welt gekommen ist“. AMEN

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